16. Januar 2015

Vom Umgang mit schwierigen Menschen...


Nachdem ich letzte Woche BUGfixing #16 veröffentlicht habe, ist mir aufgefallen, dass ich davor fast zwei Monate nichts in dieser Reihe veröffentlicht habe. Shame on me! Dabei ist es definitiv nicht so, dass ich BUGfixing aus den Augen verloren oder mein Projekt beendet habe (noch lange nicht, es gilt noch einige Bugs zu fixen). Es ist ganz einfach so, dass so manche neue Übung wesentlich zeitintensiver und schwieriger in den Alltag einzufügen ist, als vorab gedacht. Und manche "Übung" ist im Grunde auch keine richtige Übung, sondern ein grundsätzlicher Perspektivwechsel. Und ganz ehrlich: So ein Perspektivwechsel ist (für mich) oftmals schwieriger umzusetzen, als eine konkrete Übung.


Richtig atmen oder "Anti-Stress"-Übungen kann ich recht zügig erlernen und umsetzen, es erfordert oftmals nur eine große Portion Konzentration und Fokussierung. Aber ein Perspektivwechsel ist eine ganz andere Sache. Denn hierbei kann ich im Grunde nicht richtig aktiv sein (wie bei einer Übung), sondern muss mich immer wieder auf die neue Perspektive einlassen und versuchen, sie als neue Sichtweise dauerhaft zu übernehmen.
Ihr könnt' Euch vielleicht denken, dass das nicht einfach ist und sicherlich auch nicht wirklich schnell geht. So ein Perspektivwechsel braucht Zeit, viel Zeit, Durchhaltevermögen und Geduld (nicht zwingend einer meiner Stärken). Denn: Nichts ist einfacher, als in gewohnte Denk- und Verhaltensmuster zurückzukehren - insbesondere in stressigen Zeiten. 

In meinem Jahresrückblick (HIER) habe ich u.a. folgende Erkenntnis zum Jahr 2014 aufgeschrieben: Ich entscheide, wer an meinem Leben teilhaben darf. Und wer nicht. Das war definitiv eine der wichtigsten Erkenntnisse 2014 - und auch eine, die besonders schwierig umzusetzen war und ist. Denn einerseits ging dieser Erkenntnis ein Perspektivwechsel voraus, was ein Umdenken zur Folge hatte. Und andererseits war und ist es nicht leicht, diese Erkenntnis in die Tat umzusetzen. Denn: Ich lebe nicht mitten im Wald, weit außerhalb der Zivilisation in einer einsamen Berghütte und teile mir nur mit meiner kleinen Familie und lustigen Waldbewohnern die kleine Idylle, sondern ich lebe in einer Gesellschaft, habe Verpflichtungen und um mich herum tobt das soziale Leben und darin tummeln sich leider nicht nur nette Menschen, sondern auch schwierige Menschen, die mir ganz und gar nicht gut tun.

Zu erkennen, dass es eben genau solche Menschen in meinem Umfeld gibt, die mir nicht gut tun, war ein großer Schritt in die richtige Richtung. Gleichsam habe ich erkannt, dass es nicht meine Aufgabe ist, diese Menschen zu ändern. Meist ist das eh nicht möglich und ich musste mich von der Vorstellung verabschieden, dass ich wie Agnes (mit Hilfe Ihrer Schwestern) aus einem Gru einen liebenswerten Menschen machen kann. Und obwohl es zwischen Agnes und mir deutliche Parallelen gibt, vor allem, wenn es um etwas Flauschiges geht (da reagiere ich genau wie Agnes HIER; fragt meinen Mann, der kann das bestätigen), lebe ich leider nicht in einer bunten Zeichentrickwelt, in der aus Superschurken wunderbare Menschen werden und in der es immer ein Happy End gibt.
Zu lange habe ich immer wieder aufs Neue versucht, Entschuldigungen für diese Menschen und ihre Verhaltensweisen zu finden ("Sie ist nun mal so.", "Er meint es doch nicht böse, er ist halt schwierig." etc.) - und letztlich damit nur eines getan: ihr schlechtes Verhalten weiterhin unterstützt. Denn genau das macht man nämlich, wenn man ständig Entschuldigungen für diese Menschen erfindet. Auch meine Versuche, mich ihnen anzupassen und mich zu ändern, damit es ihnen besser geht, waren nicht von Erfolg gekrönt. Im Gegenteil: Leider ging es mir dadurch nur schlechter. Als ich das erkannt habe, wurde mir klar: Ich muss etwas ändern. Mir wurde klar: Ich entscheide, wer an meinem Leben teilhaben darf. Und wer nicht.


Ich bin auf einem guten Weg. Wenige Menschen habe ich konsequent aus meinem Leben ausgeschlossen, auch wenn es mir sehr schwerfiel. Und auch für die Menschen, die ich aus diversen Gründen nicht konsequent ausschließen kann, weil man z.B. mit ihnen arbeitet oder sie zur Verwandtschaft gehören, habe ich Wege gefunden: Ich habe den Kontakt und die Zeit, die ich mit Ihnen verbringen muss, auf ein Minimum reduziert und lasse sie nicht mehr an meinem Leben teilhaben (das heißt z.B., dass ich ihnen nichts über mich erzähle). Ich habe mich in jeglicher Hinsicht, vor allem aber emotional von ihnen distanziert. Ich bin ihnen gegenüber weiterhin freundlich und höflich (das gehört sozusagen zu meiner Basisausstattung), aber mehr als das haben sie nicht mehr von mir zu erwarten.


Es war und ist schmerzlich und hart. Das Problem (oder anders ausgedrückt: der Bug): Ich denke grundsätzlich immer viel zu viel darüber nach, wie es anderen geht und viel zu wenig darüber nach, wie es mir geht - das gehört scheinbar zu meinem Basiscode. Aber das heißt noch lange nicht, dass es so richtig sein muss - also arbeite ich an einer neuen Version.
Des Weiteren muss ich mich konstant daran erinnern, dass Selbstschutz nicht mit Egoismus gleichzusetzen ist und ich kein schlechter Mensch bin, nur weil ich mich selbst (und meine kleine Familie) schütze und dass ich nicht für das Glück oder Unglück anderer Menschen verantwortlich bin. Ebenso muss ich mich ständig daran erinnern, dass es so besser und definitiv gesünder für mich ist. Und ich wiederhole immer wieder meine Erkenntnis: Ich entscheide, wer an meinem Leben teilhaben darf. Und wer nicht. Solange, bis ich sie wirklich verinnerlicht habe.

Wie ist es bei Euch? Wie geht Ihr mit schwierigen Menschen um? 




Kommentare on "Vom Umgang mit schwierigen Menschen... "
  1. Liebe Nicole(-Agnes), das ist ein schwieriges Thema, und umso stolzer kannst du auf dich sein, wenn es bei dir klappt! Bei mir gibt es zum Glück nur wenige solcher Menschen, in der Verwandschaft gar keine - Glück gehabt. Bei Freunden ist oft so, dass ich niemanden im Stich lassen möchte. Auch wenn mich ihr Verhalten belastet. Es ist schwierig, die Grenze zu ziehen. Zum Beispiel bei einer Person, mit der ich eigentlich gut befreundet bin: Auf der einen Seite weiß ich, dass die Person nichts dafür kann (da sie Depressionen hat), auf der anderen Seite merke ich schon, wie ich auch darunter leide. Mein Mittelweg: Ich nehme es nicht persönlich, hake es ab und ärgere mich nicht. Ich gehe meist vom schlimmsten schon vorher aus. Ich versuche, die guten Zeiten zu genießen (denn die gibt es auch) und die schlechten Zeiten einfach auszublenden und - ganz wichtig! - mich nicht verantwortlich zu fühlen. Und ich habe mich aus dem Helfer-Business zurückgezogen und versuche nicht mehr, gute Ratschläge zu geben etc., sondern nehme zur Kenntnis und hake das Thema dann ab für mich. Das hilft enorm.

    Meinen Kollegen, der per-ma-nent jammert, würge ich ab und wechsle das Thema, statt zu versuchen, ihn aufzumuntern und zu beruhigen. Es ist egal, er findet so oder so was zum jammern. Und auf jedes "Heeey, sieh's mal positiv, denn..." kam sowieso immer nur ein "Ja aber". Jetzt gehe ich einfach nicht mehr drauf ein.

    Bleibt noch eine Bekannte, die mich anscheinend zu einer guten Freundin erkoren hat. Auch so eine Ja-aber-Kandidatin, was ich als sehr positiver Mensch nur schwer ertragen kann. Ich weiß nicht genau, wie ich das beenden soll... Hast du offiziell "Schluss gemacht"? Oder wie schließt du solche Menschen komplett aus? Ich will und muss sie nicht wiedersehen, aber wenn sie fragt, ob wir uns nicht treffen sollen, weiß ich nicht, wie ich das höflich sagen soll, ich will ja auch niemanden verletzen... Ich antworte schon öfter nicht auf Nachrichten etc., aber ich bin irgendwie wohl zu höflich! Hilfe wäre also willkommen. :-)

    Liebe Grüße
    Nele

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    1. Liebe Nele,

      vielen lieben Dank für Deinen ausführlichen Kommentar.

      Eine gesunde Einstellung hast Du da (gibst Du mir was ab?!) - und schön, dass es bei Dir nur wenige "solcher" Menschen gab/gibt. Viele waren es bei mir auch nicht, aber ganz ehrlich: Die reichten mir schon.
      Die Menschen, von denen ich mich "getrennt" habe (und zwar mit sehr deutlichen und klaren Worten, um auf Deine Frage zu antworten, wie ich "Schluss" gemacht habe), waren schlecht für mich, nicht weil sie mich mal nervten oder so, sondern weil sie einen schrecklichen Charakterzug hatten: Es ging ihnen nur geht, wenn es den anderen schlecht ging; sie erstickten konsequent jede Positivität und vergifteten alles mit ihrer Negativität, so sehr, dass man davon krank werden musste.
      Ich halte 'ne Menge aus und auf Menschen, denen es nicht gut geht (z.B. weil unter einer Krankheit wie einer Depression leiden), nehme ich viel Rücksicht und mache es wie Du: nichts persönlich nehmen, einfach für sie da sein, wenn sie mich brauchen und ihnen immer wieder das Gefühl geben, dass sie nicht alleine sind. Aber von Menschen, die offenkundig so sind, wie ich es oben beschrieben habe, musste ich mich trennen.

      Mit Deinem Kollegen gehst gut "goldrichtig" um, so würde ich das auch machen. Ist wohl der beste Weg.

      Was Deine Bekannte angeht: Ich persönlich halte Ehrlichkeit hier für das Beste. Natürlich kann Ehrlichkeit den Anderen "verletzen", obwohl man das gar nicht möchte, aber wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Höflichkeit schließt klare Worte definitiv nicht aus, so meine Erfahrung.

      Wünsche Dir ein schönes Wochenende!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Das hast Du mal wieder sehr schön geschrieben!

    Ich bin von Hause aus ein Mensch, der eher wenige Freunde hat, dafür dann eben wirklich gute. Ich bin nicht der Typ, der viel Zeit und Energie in Dinge steckt, die mich nicht glücklich machen. Wenn ich merke, dass es mich viel Überwindung kostet, mich bei jemandem zu melden und ich eigentlich überhaupt keine Lust drauf habe, ziehe ich auch schon mal einen Schlussstrich. Zum Glück ist das nicht so oft und ich kann mich über wirklich gute Freunde um mich rum freuen!!!

    Ich wünsche Dir weiter viel Erfolg bei dem Vorsatz - ich denke, das regelmäßige "Aufräumen" um einen rum ist ein wichtiger Schritt um mit sich selbst im Reinen zu sein!

    Ich wünsch Dir ein schönes Wochenende! Liebe Grüße, Nina

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    1. Liebe Nina,

      vielen lieben Dank für Deinen Kommentar und Deinen "Wunsch". ;-)

      Mir gehts wie Dir: Mein Freundeskreis ist überschaubar, aber auf jeden Einzelnen kann ich mir zu 100% verlassen. Wir sind für einander da, respektieren einander und möchten nur eines: Dass es dem anderen gut geht.

      Wünsche Dir auch ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Ach, liebe Nicole! Ich hab mich wieder mal sehr in deinen Worten wiedergefunden!
    Wir sind uns halt sehr ähnlich ;-)
    Ich hab auch nach und nach herausgefunden, dass es Menschen/Freundschaften gibt, die mir nicht gut tun und ich viel zu viel bei dem jeweils anderen Menschen bin und versuche für ihn da zu sein. Egal, wie es mir ging oder oder oder. Das war lange Zeit recht einseitig.
    Nun hat sich die letzten Jahre einiges bei mir getan, ich habe mich verändert und vieles hinterfragt. Da ist logischerweise auch die ein oder andere "Freundschaft" auf der Strecke geblieben. Weil ich mein Rollenbild in dem jeweils anderen Auge nicht mehr erfüllt habe und plötzlich auch mal an mich gedacht habe. Aber das habe ich gelernt zu akzeptieren.
    Und: dadurch, dass ich mich verändert und hinterfragt habe, sind auch viele neue Menschen in mein Leben getreten :-)
    Liebe Grüße,
    Frauke

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    1. Wahre Worte! ♥

      Dankeschön!

      Liebe Grüße
      Nicole

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  4. Ich lasse grundsätzlich keine Menschen mehr an mich heran,die mir nicht gut tun. Zumindest privat! Manchmal muss man eben konsequent sein, dann darf man aber auch nicht mehr länger darüber nachdenken und es einfach tun.Dienstlich kann man das nicht steuern, da muss man eben da durch, aber mit einer kleinen antrainierten Portion Gelassenheit klappt es in der Regel.Kollegen kann man sich leider nicht aussuchen, man kann nur das beste daraus machen.LG Nina

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    1. Lieben Dank für Deinen Kommentar.

      Die Sache mit dem "nicht länger drüber nachdenken" muss ich defintiv noch weiter erlernen. Aber ich bin auch einem gutem Weg. ;-)

      Wünsche Dir ein tolles Wochenende.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  5. Liebe Nicole,

    danke für deinen Beitrag. Er trifft mich aktuell ganz gut und hat mich aus meiner endlos ich denke drüber nach und ärgere mich Schleife heraus geholt. Obwohl ich an anderen Stellen schon ganz gut auf mich aufpasse. Und ebenso wie du keine Lust mehr habe, wohlwollende Ausreden für das schlechte Verhalten anderer zu suchen.
    Dauernörglenr gehe ich mittlerweile aus dem Weg und / oder verlasse das Gespräch, weil es mir nicht gut tut, immer nur das Negative zu hören.
    Nicht mehr drüber nachdenken wäre natürlich noch "die Königsklasse" ;)

    Liebe Grüße!

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    1. Liebe Sunray,

      in der "Königsklasse" bin ich auch noch nicht angekommen. Aber wir haben das "Problem" erkannt und geben unser Bestes, das ist es, was zählt, oder!?

      Liebe Grüße
      Nicole

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  6. Es sagt sich immer so leicht... aber tatsächlich ist es nicht sooo einfach... ich habe zur Zeit eine Kollegin, mit der ich gar nicht klar komme... bzw sie mit mir.... egal, was ich sage, es ist falsch... versuche ich etwas zu erklären "Hach, sei ruhig, diskutier nicht mit mir" - aber sie selber wärmt ein Thema 3-5x auf (am Besten noch mit anderen Kollegen)... ich zucke (innerlich) mit den Achseln - und sage wenig (gar nichts sagen ist nämlich auch tooootal falsch!) - das klappt an (meinen guten Tagen) - an den weniger guten "pampe" ich dann mal zurück... ICH... die echt die Freundlichkeit / Höflichkeit in Person bin... so ist das Leben... mein Fell muss dicker werden... ich kann nur mich ändern... nicht anderen... aber entschuldigugen suchen ich für die Kollegin nicht mehr - hat jeder sein Päckchen zu tragen... kein Grund, das an anderen auszulassen!

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    1. Auf der Arbeit ist das wirklich ein schwieriges Thema. Kenne ich auch. Für mich gibts letztlich nur zwei Wege: Entweder man "lebt" damit und lässt die Person nicht mehr an sich ran oder, wenn es ganz schlimm ist, geht man eben (wobei ein Jobwechsel natürlich nicht immer leicht ist, aber bevor es ganz schlimm wird und man selbst nur noch leidet, wähle ich diesen Weg).

      Du machst das genau richtig: Entschuldigungen muss man für solche Leute nicht suchen und sie helfen ja auch keinem. Und manchmal sind halt ganz klare Worte angebracht, man muss sich in erster Linie selbst schützen.

      Ich möchte einfach daran glauben, dass sich solche Menschen früher oder später selbst "ins Aus schießen".

      Liebe Grüße
      Nicole

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