Minimalismus: (m)ein Weg

13. August 2017

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie dieser Post aussehen könnte: Eine allgemeine Definition zum Minimalismus, gefolgt von einer spezielleren Definition, dann ein Überblick über die verschiedenen Richtungen des Minimalismus (z.B. Lifesytle- oder Ökominimalismus), diverse Erkläungen halt und so weiter und so fort. Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden. Die diversen Definitionen findet Ihr selbst sehr schnell im Netz, gefolgt von diversen Tipps, Weisheiten und Dogmen. Wenn Ihr mögt, lest sie und bildet Euch Eure eigene Meinung, findet Euren Weg. 

Als ich damit begann, mich mit dem Thema Mininmalismus zu beschäftigen, hatte ich mir viele Fragen notiert und nach Antworten gesucht (siehe dazu auch HIER). Jedoch fand ich zumeist widersprüchliche Antworten, sodass ich auf mich selbst zurückgeworfen war: Ich musste selbst Antworten für mich finden. Ich konzentrierte mich dabei auf das, was mir wichtig war: Struktur, Ordnung, Ballast abwerfen, Leichtigkeit und Entspannung. Auf diesen Themen lag - und liegt! - mein Fokus und ich reduziere diese dabei nicht ausschließlich auf mein Konsumverhalten oder auf das Aufräumen/Entsorgen von Dingen usw. Sicherlich: Beides sind wichtige, geradezu zentrale Themen, wenn man an Minimalismus denkt, aber es geht (mir) um so viel mehr. Für ist es wichtig, mein Leben und auch mich als Person (kontinuierlich) zu reflektieren und zu hinterfragen: Wie möchte ich leben, wer möchte ich sein und was möchte ich mir gönnen und warum. Dabei verstehe ich Minimalismus nicht als Verzicht, sondern als einen Weg, mir das Richtige zu gönnen - und das in allen Lebensbereichen. Oder anders ausgedrückt: Mir nutzt es nichts, meine Wohnung komplett zu entrümpeln, wenn ich mein Verhalten nicht ändere, denn dann ist die Wohnung in einem halben Jahr wieder voll und die Frustration groß (dieses Beispiel lässt sich auch auf Angewohnheiten o.ä. übertragen).

Um es kurz zu machen: Ich habe meine Lebensweise hinterfragt und mich selbst (Angewohnheiten usw.) und spürte mehr und mehr, dass ich "zu viel" von allem hatte und auch davon überzeugt war, dass ich das alles benötige. So hat mich zum Beispiel das "zu viel" an Möglichkeiten überfordert, mich rastlos und unzufrieden gemacht - und mich am Ende meist grübelnd und wütend auf mich selbst zurückgelassen; verschwendete Lebenszeit nenne ich das heute. Schließlich wusste ich doch insgeheim schon (nicht zuletzt durch die Arbeit mit den Hunden):



Mir wurde bewusst: Ich möchte Reduktion und mich auf das Wesentliche, das, was mich glücklich macht, konzentrieren. Während der ganzen Zeit habe ich nur selten darüber nachgedacht, dass Reduktion (auch) Verlust bedeuten kann. Ich habe es immer eher als eine Art Gewinn: von Geld, von Zeit, von Lebensqualität angesehen. Mit der Zeit ergab sich aus all dem meine persönliche Art, den (mittlerweile zum Gemeinplatz gewordenen) Begriff Mininmalismus mit Inhalt zu füllen:

Minimalismus bedeutet für mich Klarheit, Ordnung, Struktur und das größtmögliche Maß an Freiheit und Leichtigkeit in allen Bereichen des Lebens durch Reduktion auf das, was für mich wirklich wichtig ist, um das Leben zu leben, das ich leben möchte - ohne unnötigen Ballast. Kurzum: Mininmalismus bedeutet für mich eine Maximalisierung meiner Lebensqualität.

Viel von dem, was man oft lesen kann, findet sich auch in meinem Begriff von Minimalismus wieder, aber gefüllt mit mehr "ich". Ich betrachte mich selbst zwar als Minimalist, aber denke dabei an meine Definition und sehe mich nicht als Teil eines "Movements", das bestimmte Regeln gebunden ist, d.h. ich folge nicht einer bestimmten Philosophie, sondern nutze das, was für mich passt. Ich sehe Minimalismus - das deutet meine Definition bereits an - wie Lina Jachmann in der aktuellen Flow:

"Es geht nicht um Dogmen oder spaßfreie Askese. Jeder kann schauen, was für ihn passt, und das ist höchst individuell."

(Note: Lina Jachmann hat auch ein Buch, eine Art Leitfaden, zum Thema Minimalismus geschrieben, das ich kürzlich auch gelesen habe. Wenn Ihr mögt, stelle ich es Euch gerne vor.)

Ich sehe es als wirkliche Freiheit an, alles oder eben nur manches nutzen zu können, was der Minimalismus bietet, so wie es für mein Leben und mich passt. Ich lasse mich von Herzen gerne inspirieren, aber das muss nicht bedeuten, dass ich alles - ungefragt - übernehmen muss. Ich kann Minimalist sein, auch wenn ich nicht in einem schicken Designerloft lebe, in dem kaum, aber dafür sehr teuere Möbel stehen, und ich kann auch Minimalist sein, wenn mein Kleiderschrank mehr als 25 Kleidungsstücke aufweist und die zu allem Übel auch noch bunt sind. Ich habe das jetzt bewusst überspitzt formuliert und typische Klischees aufgefriffen, um zu verdeutlichen, was ich von dieser "Zugangsvoraussetzung" halte:

Minimalismus ist kein elitäter Cindarellaschuh, der nur ausgewählten Personen passt. Minimalismus ist ein Schuh, der jedem passt, der ihn tragen möchte. Oder anders ausgedrückt: Minimalimus ist das, was ich daraus mache.

Ich sehe das Ganze entspannt und bescheiden, strebe nicht nach Höherem, sondern möchte schlicht und ergreifend "nur" ein gutes Leben führen und der Mensch sein, der ich bin. Dabei hilft mir (mein) Minimalismus, ebenso wie z.B. Yoga und Achtsamkeit. Minimalismus kann eine Lebenseinstellung sein (so die eine Meinung) oder einfach nur ein Hilfsmittel sein (so die andere Meinung). In meinem Fall ist es beides. Das mag paradox klingen, aber für mich passt es. Ich habe meinen Weg gefunden und genau darüber - wie er im Einzelnen aussieht - möchte ich hier auf moments of mine schreiben. Und dabei möchte ich nicht nur in die Vergangenheit blicken (z.B. wer oder was mich besonders inspieriert hat, was ich in den vergangenen zwei Jahren "gelernt" habe usw.), sondern möchte mich auch auf die Gegenwart konzentrieren (z.B. wie Minimalismus im Alltag funktioniert, wie man mit Vorurteilen umgeht usw.) und darüber berichten. Denn das, was ich bereits auf StreifenLiebe über Veränderungen (in einem anderen Kontext) geschrieben habe, ist übertragbar auf einen gelebten Minimalismus:





1 Kommentar

  1. Liebe Nicole,

    ganz wundervoll geschrieben, ich habe ja schon auf Streifenliebe deine Texte sehr lieb gewonnen. Yoga und Achtsamkeit sind für mich bereits gelebte Gewohnheiten, um ein glücklicheres und ausgeglicheneres Leben zu führen. Je nach Definition lebe ich mit weniger als 20 Paar Schuhen als Frau sicher auch minimalistisch ;-) Dennoch steht vor dem Umzug ins Haus auf jeden Fall noch eine Kleiderschrank-Ausmistaktion an. In den letzten Jahren habe ich zwar deutlich weniger und gezielter neue Kleidung angeschafft, dennoch gibt es noch einiges, dass ich nicht mehr trage und nur unnötig meinen Kleiderschrank belastet. Ich kann deine Gedanken der Überforderung zu vieler Möglichkeiten sehr gut nachvollziehen. Vor einiger Zeit habe ich gemeinsam mit meinem Mann die Schränke im Büro sortiert und alles in beschriftete Kisten geordnet. Nun freue ich mir jedes Mal einen Ast ab, wenn ich gezielt eine Kiste greife und das finde, was ich brauche ohne lange zu suchen. Eine gewisse Ordnung hatte ich immer, aber noch nicht so mit klarem System. Für unseren neuen Kleiderschrank wünsche ich mir auch mehr Elemente, die systematische Ordnung unterstützen. In der Küche werden wir das auch umsetzen, das ärgert den Mann aktuell noch mehr als mich.

    Ich bin deiner Meinung, mehr Ordnung und die Konzentration auf das was einem wirklich wichtig ist führt zu Entspannung und deutlich mehr Lebenszeit wie -qualität. Wie wertvoll das ist wird mir immer dann bewusst, wenn ich an die kürzlich schwer erkrankte Schwiegermama denke, die aktuell abwechselnd im Krankenhaus und zuhause ist und wir uns über die Zeit wohl mit einem schlechter werdenden Zustand befassen müssen. Dann denke ich oft, dass alle Diäten, die sie (wie vermutlich viele andere auch) so gemacht und welchen Verzicht sie da geübt hat am Ende doch nichts wert sind, wenn man schließlich kaum noch Lebensqualität hat. Ich hoffe durch meine Bemühungen in Achtsamkeit und dem Fokus auf das was wirklich zählt es mir ermöglicht, hier einen anderen Weg einschlagen zu können. Wenn es dann irgendwann zu Ende geht möchte ich erfüllt und glücklich zurückblicken können.

    Nach diesem doch etwas melancholischen Teil wünsche ich dir noch einen angenehmen Tag und freue mich auf weitere Posts dieser Art.

    Ganz liebe Grüße, Silke

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