Die richtige Balance finden

5. September 2017

Mehr als die Hälfte des Jahres ist nun schon vergangen und wenn ich zurückblicke, dann muss ich sagen,  sehr aufregende, schöne, nervenaufreibende und von Umbrüchen gezeichnete Monate liegen hinter mir: Die spontane, aber gut überlegte Adoption von Herrn Otto und der damit verbundene ebenso spontane Umzug von einer Groß- in eine Kleinstadt - und das waren die positiven Veränderungen. Leider gab es auch Negatives, das zu meistern oder oftmals einfach nur hilflos mit anzusehen war. Es war wahrlich nicht leicht, den berühmten "kühlen Kopf" zu bewahren, alles zu schaffen und sich bei allem auch nicht selbst aus den Augen zu verlieren. Kurzum: Es war schwer, die richtige Balance zu finden. 

Ich habe immer mein Bestes gegeben und versucht, alles zu meistern, oftmals alles gleichzeitig. Meine beste Freundin sagt seit unserer gemeinsamen Unizeit über mich: "Wenn es richtig stressig wird, läuft Nicole zu Höchstleistungen auf." Und ich muss ihr zustimmen, allerdings sehe ich das nicht zwingend als Kompliment, denn ich sehe auch die Kehrseite: Um alles zu schaffen und das bestmögliche Ergebnis zu erzielen, gehe ich an meine Grenzen und oftmals auch darüber hinaus. Kurzum: Ich achte nicht mehr auf mich und meine Bedürfnisse.
Wenn dies ein temporärer Zustand wäre (wie ich mir gerne einrede), dann wäre es in meinen Augen nicht weiter tragisch. So ist das Leben halt manchmal. Aber leider neige ich dazu, die Altlasten mitzuschleppen und merke dies erst, wenn es fast zu spät ist. Und das ist nichts Positives oder etwas, worauf ich stolz sein möchte.

Unser Umzug war so ein temporärer Zustand. Alles ging unfassbar schnell: Wir hatten damit gerechnet, lange nach einem neuen Zuhause suchen zu müssen, da leider nicht jeder Vermieter Listenhunden (die im Volksmund in 99% aller Fälle den ungerechtfertigten Namen "Kampfhunde" tragen, aber es ist so schön plakativ, Bildzeitungsniveau halt) gegenüber aufgeschlossen ist. Unfassbarerweise haben wir schon nach zwei Tagen (und insgesamt vier Telefonaten mit potentiellen Vermietern) unsere Traumwohnung gefunden und wachten schon knapp drei Wochen später in unserem neuen Heim das erste Mal auf. Ein Turboumzug lag hinter und noch stressigere Zeiten (hinsichtlich der alten Wohnung) lagen vor uns. Nach all der Zeit waren geschafft: Wir sind beide bis an unsere Grenzen gegangen, teilweise auch darüber hinaus, aber das war in Ordnung, letztlich waren wir glücklich und die Altlasten passé.

Wären wir vor zwei Jahren umgezogen, hätte ich diese Zeit nicht so unbeschadet überstanden. Ich wäre immer weiter und weiter über meine Grenzen gegangen, hätte mir keinerlei Ruhephasen gegönnt, hätte die wichtigsten Grundbedürfnisse eines Menschen missachtet. Wurde es früher stressig, habe ich einfach aufgehört, etwas zu essen oder zu trinken - und das über Wochen. Bis dann irgendwann der Körper so laut schrie, dass eben nichts mehr ging. Meist fiel ich aus allen Wolken, denn ich habe es nicht kommen sehen. So war ich eben. Und dazu brauchte es keine so "weltbewegende" Veränderung wie einen Umzug, dazu reichte der normale Alltagswahnsinn oft schon aus: Ein 70 Stunden Job (ja, ich bin ein trockener Workaholic), meine Beziehung, meine Freunde, der Haushalt, die Tiere usw. - all das meisterte ich auf einmal, mit "links" von außen betrachtet. Und auch ich ging davon aus, dass das doch alles normal sei. Bis mein Körper mich eines Tages auf den Boden der Tatsachen zurückholte und mir deutlich vor Augen führte, dass das nicht normal und gesund ist, zumindest nicht für mich.

Kurz darauf beschloss ich, mein Leben zu ändern, neue Routinen zu etablieren und mehr auf mich zu achten. Ich fing an, mich intensiver mit Achtsamkeit, Minimalismus und der Idee eines einfacheren, entschleunigten Lebens zu beschäftigen. Es war keine Transformation über Nacht: Ich bin nicht als Workaholic zu Bett gegangen und als Minimalist aufgewacht (wäre aber schön gewesen). Es war ein anstrengender und teilweise frustrierender Weg - und das ist er noch heute. Aber er ist es wert, weil ich es mir wert bin (boom, endlich mal ein Spruch aus der Werbung, der sinnvoll ist und den ich gerne nutze).

Ich habe in den letzten zwei Jahren viel gelernt, vor allem über mich selbst und wie ich so ticke - und das alles insbesondere durch die Arbeit mit den Hunden. So habe ich unter anderem auch gelernt, mit stressigen Zeiten besser umzugehen, mich selbst zu schützen und die Balance zu bewahren:

// Zeitmanagement & Routinen schaffen: Ich mag den Begriff nicht sonderlich, da er mir zu sehr nach einem trockenen Verwaltungsakt klingt. Und dennoch passt er an dieser Stelle. Für mich bedeutet Zeitmanagement: ein ehrlicher, realistischer und achtsamer Umgang mit meiner Zeit.
Sicherlich: Ich möchte gerne alles auf einmal erledigen und die 24 Stunden, die ich pro Tag zur Verfügung habe, möglichst effektiv nutzen. Aber ich habe gelernt, dass Effektivität nicht gleichzusetzen ist mit Produktivität. Oft war mein Tag so voll gepackt, ich habe viel gemacht, aber am Ende des Tages war ich alles andere als zufrieden und glücklich; ich war schlichtweg müde und erschöpft und hatte in keinster Weise das Gefühl, wirklich etwas geschafft zu haben. Wie hätte ich es auch mitbekommen sollen, schließlich agierte ich wie der Märzhase aus Alice im Wunderland.
Heute ist mein Zeitmanagement deutlich besser: Ich habe meine Zeitfresser (z.B. Social Media) erkannt, teile mir meinen Tag heute besser ein, indem ich mir Routinen geschaffen habe (z.B. Hausarbeit immer zu einer gewissen Tageszeit, Emails nur noch einmal am Tag checken und beantworten) und ich plane realistisch (z.B. Fahrtstrecken zwischen zwei Terminen), baue Spielräume und Pausen ein. Denn selbst die kleinste Pause (z.B. fünf Minuten für einen Kaffee im Sitzen!) - #metime - bringt unfassbar viel.

Priorisierung der To-do-Liste: Klingt auch wieder recht technisch, wobei ich es aber durchaus mehr als praktisch meine. Ich neigte dazu meine To-do-Listen voll zu packen, der Tag hat ja 24 Stunden. Also habe ich mir meine To-do-Listen über einen gewissen Zeitraum angesehen (da ich sie in meinen Kalender schreibe, war das nicht schwer) und gemerkt, dass ich teilweise unnötige Dinge notierte und an vielen Tagen viel zu viele wichtige und zeitintensive Dinge auf einmal erledigen möchte. Also habe ich begonnen, alles, was unter 5 Minuten zu erledigen ist (typische Alltagsdinge z.B.), nicht mehr aufzuschreiben, sondern sie - sofern möglich - in einem Zeitblock zusammenzufassen und sie sofort zu erledigen. Ich schaue mir genau an - auch abhängig von meiner Tagesform -, was ich in der Zeit schaffe, die ich zur Verfügung habe, und priorisiere. Dabei stelle ich mich folgende Fragen: Was muss heute fertig werden? Was schaffe ich nur heute? Kann ich die Aufgabe in kleinere Einheiten spalten, ggf. delegieren?

Flow nutzen: Nein, damit meine ich jetzt nicht die Zeitschrift, sondern den sagenumwogenen Flow, diese produktive Welle, die uns trägt, die wir im Nachhinein oft mit den Worten beschreiben "Es lief einfach wie geschmiert." Ich habe noch keinen Weg gefunden, diesen Flow bewusst herbeizuführen, aber wenn die produktive Welle da ist, nutze ich sie - und dann bin ich auch gerne bereit, meine eigentlichen Pläne (wenn möglich) zu ändern.


Und ganz wichtig: 'Nein sagen' können - oder es erst einmal lernen, so wie ich. Alles, was ich dazu in diesen Post geschrieben habe, habe ich wieder gelöscht und in einen eigenen Post verpackt. Denn ''Nein sagen' ist eine ganz eigene "Geschichte" und verdient daher einen eigenen Post (vielleicht sogar eine eigene Reihe).


Wie stehts bei Euch: Was hilft Euch dabei, die Balance zu bewahren?



Note: Es gibt unzählige Tipps und Tricks zum effektiven Zeitmanagement für jedwede Personengruppe, Situation etc.; wenn Ihr tiefer in das Thema einsteigen möchtet, empfehle ich Euch an dieser Stelle die Tipps zum Zeitmanagement  meiner wunderbaren Bloggerfreundin Sunray von The organized Cardigan.


Edit: Für alle, die mehr über das Thema wissen möchten, empfehle ich auch einen Blick in die aktuelle Flow; dort gibt es einen lesenswerten Artikel zum Thema "Mehr Zeit".



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