Einfach, entschleunigt leben: eine Einführung

17. Oktober 2017

Einfach und entschleunigt leben. Klingt gut, oder?! Aber was genau bedeutet das? Genau diese Frage stellte mir kürzlich eine Freundin und ich war überrascht. Denn eigentlich dachte ich, dass es selbsterklärend sei. 

Aber im Laufe unseres Gesprächs stellte sich heraus, dass sie dabei ein ganz bestimmtes Bild im Kopf hatte, das wohl viele haben, wenn sie an ein einfaches und entschleunigtes Leben denken: Man lebt – weit ab von der Zivilisation – in einem einfachen Haus, am besten mitten im Wald, hackt das Holz für den Kamin, holt Wasser aus dem Brunnen, füttert die Schafe, kocht nur das, was der eigene Garten hergibt, liest abends Bücher (Internet und Co. gibt es ja nicht) bei Kerzenschein (Strom gibts ja auch nicht) oder sitzt strickend und Tee trinkend vor dem Kamin.

Ich muss schmunzeln, wenn ich an unser Gespräch und ihre idyllische Vorstellung vom einfachen, entschleunigten Leben denke, vor allem auch, weil ich genau diese Idylle selbst lange Zeit im Kopf hatte. Und das auch nicht ohne Grund, denn schließlich ist Henry David Thoreaus Buch „Walden oder Leben in den Wäldern“ schon seit Kindheitstagen eines meiner liebsten Werke und ich habe schon als Kind davon geträumt, irgendwann einmal genauso zu leben.

Kurzum: Es stimmt, dass diese Idylle das einfache, entschleunigte Leben in Perfektion ist (wenn man so will). Aber mit der Realität der meisten Menschen hat das wohl nichts gemein. Auf jeden Fall nicht mit meiner Realität.

Ich wohne nicht in einem Haus mitten im Wald (obwohl das toll wäre, mit dem entsprechenden Alarmsystem), sondern in einer Kleinstadt, die umgeben ist von Wäldern. Das Wasser kommt bei uns aus dem Wasserhahn. Eigene Schafe habe ich auch nicht, aber gehe zumindest fast täglich an einer Wiese voller Schafe vorbei. Mein Gemüse kommt auch nicht aus dem eigenen Garten (haben wir nicht), sondern vom Biogemüsehändler auf dem wöchentlichen Dorfmarkt oder eben aus dem Biofach im Supermarkt. Und ich sitze auch abends nicht strickend und Tee trinkend vor dem Kamin, denn ich trinke weder Tee noch kann ich stricken und einen Kamin haben wir auch nicht, sondern eine stinknormale Heizung.

Und dennoch lebe ich ein einfaches und entschleunigtes Leben.

So kommen wir zurück zu dem Gespräch mit meiner Freundin. Oder anders ausgedrückt: Ihrem „Problem“, diese Idylle in ein normales Leben zu übertragen, in dem man einen Job hat, Miete zahlen muss, diverse Verpflichtungen hat und das oftmals einfach nur eines ist: ebenso hektisch wie die Zeit, in der wir leben; in einer Gesellschaft, in der Erfolg in der Regel durch Besitz und den Satz „habe keine Zeit, bin so beschäftigt“ definiert wird.
Und genau das ist mein Ausgangspunkt: Ich habe Nein gesagt zu solch einem Leben; darüber habe ich bereits im Sommer 2015 einen Post (HIER) geschrieben. Ich habe mich für anderes Leben entschieden. Oder anders ausgedrückt: Ich habe mich für mich entschieden und für ein Leben, das zu mir passt.

Was ich unter einem einfachen, entschleunigten Leben verstehe, lässt sich sehr gut mit einem meiner Lieblingszitate von Dieter Rams erklären, in dem es eigentlich um Produktdesign geht, sich aber – ersetzt man Design durch Leben – wunderbar auf das einfache, entschleunigte Leben übertragen lässt. 

Good design is as little as possible. Less, but better, because it concentrates on the essential aspects, and the products are not burdened with non-essentials. Back to purity, back to simplicity.

Dieter Rams Zitat bezieht sich auf die berühmten Aphorismus von Mies van der Rohe, der ebenfalls perfekt zum einfachen, entschleunigten Leben passt:

weniger ist mehr (less is more)

Es geht also nicht darum, den Job zu kündigen oder nicht mehr am sozialen Leben teilzuhaben und wie ein Eremit im Wald zu wohnen. Ebenso wie beim Minimalismus (HIER) gibt es auch hier keine festen Regeln, kein richtig oder falsch. Jeder kann selbst entscheiden, wie (s)ein einfaches, entschleunigtes Leben aussieht, wie er es gestalten möchte. Und was für den gelebten Minimalismus gilt, gilt auch für ein einfaches, entschleunigtes Leben: die Veränderung beginnt im Kopf.

Für mich bedeutet das, dass ich Entscheidungen treffe, wie ich leben möchte und auf was ich mich konzentriere. Es geht um die Frage: Was ist für mich und mein Leben wirklich wichtig? Wenn ich das für mich geklärt habe, dann schenke ich mir selbst die Möglichkeit, Zeit und Raum für all dies zu schaffen, für die (für mich) wichtigen Dinge im Leben. Ein einfaches, entschleunigtes Leben zu führen, ist kein Zustand, sondern ein fortwährender Prozess, eine Reise sozusagen. Und auf Kurs halten mich dabei zwei essentielle Hilfsmittel: Achtsamkeit und Minimalismus.

Was das nun alles für mein tägliches Leben bedeutet, wie das im Einzelnen alles aussieht und wie ich mein Leben vereinfacht und entschleunigt habe, verrate ich Euch in den nächsten Posts.


Auf Pinterest teilen:




Kommentar veröffentlichen

© momentsofmine. Design by FCD.