Erfolg einfach mal anders definieren

25. Oktober 2017

Vor einigen Wochen bekam ich eine Email von einem Social Media-Manager, der mir erklärte, dass meine "Social-Media-Aktivitäten" (damit meinte er meinen Blog, Instagram, Pinterest) wirklich Potential haben und ich es nutzen solle, um "erfolgreicher" zu werden. Zunächst dachte ich, dass wäre jetzt einfach jemand, der mir etwas verkaufen möchte; wollte er aber nicht. Er zeigte wirkliches Interesse und gab mir in seiner Email diverse Tipps, wie ich die Reichweite meiner Social Media-Kanäle erhöhen könnte und somit mehr Follower "generiere". Ich bedankte mich in meiner Antwort bei ihm und erklärte ihm gleichzeitig, dass diese Tipps nichts für mich sind, da ich Erfolg für mich anderes definiere.  

Ich hatte diese Email schon fast vergessen. Aber als ich vor Kurzem von einer Bloggerfreundin erfuhr, dass sie ihren Blog schließt, erinnerte ich mich wieder daran. Sie schrieb mir, dass sie mit ihrem Blog bestimmte Ziele erreichen wollte und dass sie ihren Blog nun schließen werde, da der erhoffte Erfolg sich trotz ihrer Bemühungen nicht einstellte. Obwohl ich ihre "Kosten-Nutzen-Rechnung" verstanden habe, macht mich ihr Entschluß traurig und nachdenklich. Ich fragte mich: Was ist Erfolg? Wovon hängt er ab? Und vor allem: Wer definiert ihn? 

Fragt man ein Lexikon, so erhält man folgende Definiton des Wortes: 

Erfolg

positives Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung 


1. die Tatsache, dass eine Anstrengung zu einem guten Ergebnis führt und Anerkennung findet.


2.
 eine einzelne Leistung, die mit Erfolg verbunden ist.




Wortsynonyme u.a.: Anerkennung, Zulauf, Zustimmung, Zuspruch


Es ist nur unschwer zu erkennen: Erfolg wird hier letztlich durch andere Personen definiert. Ergo: Ich bin erst erfolgreich, wenn meine "Leistung" (was immer das auch ist) durch andere anerkannt wird. Im Umkehrschluss bedeutet das: Ist dem nicht so, bin ich nicht erfolgreich.

Das ist hart und ausgrenzend. Denn was ist mit all den Menschen, die keine (offenkundige) Anerkennung erlangen, beispielsweise Lehrer, Mütter, Väter, Künstler, Reinigungskräfte, Wissenschaftler usw? Was passiert mit ihnen? Der Definition nach gelten sie niemals als erfolgreich, wenn kein anderer ihre Leistungen auch als Erfolg anerkennt.

Bei mir ist es ähnlich: Als Dozentin, Kommunikationscoach und auch bei der Arbeit mit den Hunden ist mein Erfolg der Erfolg anderer. Ein Student, der eine sehr gute Abschlussarbeit schreibt, weil er bei mir das wissenschafliche Arbeiten gelernt hat. Er bekommt die Note sehr gut, nicht ich. Ein  Menschen, der nun andere für sich und seine Ideen begeistern kann, weil ich ihm zuvor geholfen habe, "richtig" und persönlich angemessen zu kommunizieren. Er erntet die Anerkennung, den oben erwähnten messbaren und letztlich auch finanziellen Erfolg, nicht für mich. Ein Hund, der nicht mehr alles und jeden beißen möchte und der so endlich ein Zuhause findet. Die Menschen, die fortan mit ihm leben, ernten den Erfolg, nicht ich. 

Natürlich wird es immer Erfolg geben, der auch von der Anerkennung durch andere abhänig ist, darauf basiert ja nunmal unser Wirtschaftssystem, unsere Arbeitswelt etc. Doch mit dieser Definition von Erfolg alleine kann und möchte ich mich nicht zufrieden geben. Denn was ist mit den persönlichen Erfolgen? Was ist mit der Leidenschaft, etwas zu tun, das mich glücklich macht? Oder man etwas zustande bringt, von dem man es nicht erwartet hätte (und das muss nichts weltbewegendes sein)? Existiert mein Erfolg dann überhaupt, wenn ihn niemand "sieht"? Und was macht diese Art von Erfolg, die abhänig von der Anerkennung anderer ist, mit unserer Selbstwahrnehmung, unserem Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen?

Ich plädiere für eine erweiterte, eine etwas andere, weitaus persönlichere Definition von Erfolg - und für mich persönlich eine gesündere Art von Erfolg, eine die unabhänig von der Meinung anderer ist. Auch wenn dies bedeutet, dass mein Erfolg z.B. nicht monetär messbar ist.
Erfolg ist für mich, dass ich stolz sein kann, auf das was ich tue, dass ich meine eigenen Ziele erreichen kann und mich selbst - in welcher Weise auch immer - verwirklichen kann. Dass ich Zufriedenheit und Gelassenheit im Leben empfinde und ich vor allem glücklich bin. Und dabei spielt es keine Rolle, ob mein Erfolg jemand sieht und er als solcher anerkannt wird. In diesem Sinne bin ich erfolgreich, denn ich bin glücklich, weil ich u.a....

// viel Zeit mit meiner kleinen Familie verbringen kann und sehe, dass es allen gut geht. Mich macht es glücklich, ein einfaches Leben zu führen, die Türe hinter mir schließen zu können, und mich aus der Hektik und Angestrengtheit der Welt zurückziehen zu können.
// die Möglichkeit habe, anderen (ehrenamtlich) zu helfen; sei es nun einem Menschen oder einem Hund. Ich erwarte dafür kein Lob, keine Anerkennung. Wenn ich sehe, dass es einem Menschen oder Hund durch meine Arbeit besser geht, er glücklicher und zufriedener ist, dann ist das das Beste, was ich erreichen konnte. 
// mich um mich selbst kümmern kann und etwas für mich tue, z.B. in dem ich durch meinen Blog ein kreatives Ventil und Freude am Schreiben habe, stolz wie Bolle bin, wenn mir mal wieder ein richtig gutes Foto gelungen ist oder ich die Ideen, die lange Zeit in meinem Kopf schwirrten, zu "Papier" bringen kann. 


Versteht mich nicht falsch: Auch freue mich über Lob und Anerkennung; soziale Anerkennung ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis. Aber etwas zu tun, (nur) um diese Anerkennung zu erlangen? Nein, das ist nicht mein Weg; das alleine ist nicht meine Motivation, nicht mein Ausgangspunkt und schon gar nicht meine Erwartungshaltung. Denn eines habe ich in meinem Leben gelernt: eine bestimmte Erwartungshaltung führt schnell zu Frustration (aber das ist ein Thema für einen eigenen Post). Meinen Erfolg und somit mein Glück und mein Selbstbewusstsein lediglich von der Anerkennung anderer abhänig zu machen, erscheint mir nicht erstrebenswert und auf Dauer nicht gesund.


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