20. Dezember 2017

Achtsamkeit und Weihnachten (10 Tipps für die Feiertage)


An dem Tag, an dem ich meinen Post Minimalismus und Weihnachten schrieb, telefonierte ich mit einer Freundin. Wir sprachen darüber, wie wir Weihnachten verbringen werden und ihre Antwort fiel knapp, aber sehr deutlich aus: "Ich bin einfach nur froh, wenn es endlich vorüber ist. Ich habe jetzt schon keine Lust mehr!" Sie erklärte mir, dass sie schon den ganzen Dezember über schlecht gelaunt sei, weil das Weihnachtsfest für sie nur ein bedeutet: Stress. Zu viele Termine, zu viel von dem, was sie eigentlich gar nicht möchte, zu viele faule Kompromisse ("man kann ja gerade an Weihnachten niemanden die Wahrheit sagen, des lieben Friedens willen", so ihre genauen Worte) und einfach zu wenig Zeit für sich selbst. 

Ich habe lange über dieses Telefonat nachgedacht und mich mal umgehört. Und es erstaunte mich nicht wirklich, dass viele ihrer Meinung teilten. Schade und traurig zugleich. Aber - in meinem Augen - auch absolut nachvollziehbar. Auch ich kenne dieses diffuse Gefühl (diesen emotinalen Vorschlaghammer, der konstant gegen den Kopf hämmert) aus meiner Vergangenheit nur zu gut und bin glücklich, dass ich durch Achtsamkeit mein Leben geändert habe. 

Nun ist es natürlich zu viel verlangt, vier Tage vor Weihnachten mal eben sein Leben zu ändern, nur damit es ein Fest wird, auf das man sich freut - und nebenbei bemerkt: So funktioniert Achtsamkeit auch nicht. Sie ist kein Kleid, das man sich überstreift (wie eine Rüstung) und plötzlich ist alles gut (was allerdings manchmal wünschenswert wäre, wenn Ihr mich fragt). Achtsamkeit bedeutet fortwährende Arbeit an sich, aber der Lohn ist es allemal wert. Aber schon mit kleinen Veränderungen kann man beginnen und sie sind wirkungsvoll, gerade jetzt so kurz vor dem Fest und natürlich auch während der Festtage.


10 Achtsamkeitstipps für die Feiertage


1. Ändere Deine Erwartungshaltung. An Weihnachten muss nicht alles perfekt sein, es sind kleinen Momente, Dinge, Gesten etc., die zählen und in Erinnerung bleiben. Weihnachten ist nur Weihnachten. Das Leben und alles Schöne und nicht so Schöne geht weiter - es ist also utopisch zu erwarten, dass "nur" weil Weihnachten ist, jetzt alles perfekt sein muss.

2. Raus an die frische Luft, auch wenn es nur eine kurze Runde um den Block ist. Es wirkt Wunder!

3. Nimm Dir Zeit für Dich und plane diese Zeit auch fest ein, selbst wenn das nur bedeutet, dass Du in aller Ruhe einen Kaffee ohne Ablenkungen trinkst.

4. Halte nicht an Traditonen fest, wenn sie Dir nicht gut tun. Das bedeutet nicht, dass Du jetzt das große Familienessen absagen musst, aber muss es ein 6 Gänge Menü sein, bei dem Du nur zwischen Küche und Tisch hin und her rennst? Wie wäre es stattdessen z.B. mit einer Art Buffet, sodass jeder - und vor allem Du - Ruhe und Zeit gewinnt, das Fest zu genießen.

5. Bitte um Unterstützung. Mir fällt es sehr schwer, um Hilfe zu bitten, aber ich werde immer besser darin und merke, dass es mir gut tut.

6. Mein Vater gab mir diesen weisen Rat und es ist mit Abstand einer der besten Ratschläge, die ich kenne: "Wenn Du nichts Nettes zu sagen hast, dann schweig." Wirkt gerade an Weihnachten wahre Wunder. 

7. Sag "Nein", wenn Du etwas nicht möchtest. Jemand nimmt Dir übel, wenn Du Deine Wünsche, Bedürfnisse äußerst oder eigene Entscheidungen triffst? Dann frag Dich, was das über die Person und die Beziehung zu Dir aussagt. Ich weiß: Man möchte gerade an Weihnachten keine Unstimmigkeiten oder Konflikte, aber frage Dich: Was für eine Art von Harmonie ist das und was nimmt sie Dir auf lange Sicht? (Ich musste mich zum Beispiel lange dafür "rechtfertigen", warum ich mich vegetarisch ernähre. Und gleichzeitig wurde mir niemals etwas vegetarisches angeboten bzw. es kam jedes Jahr der gleiche Satz: "Ich habe doch auch Kartoffeln und Gurkensalat gemacht." Und es weiß ja jeder, dass Gurkensalat und Kartoffeln genau das Weihnachtsgericht ist, das sich jeder Vegetarier wünscht, oder?! Ich habe irgendwann entschieden, dieses "weihnachtliche" Essen einfach aus meinem Kalender zu streichen und fühle mich wirklich befreit.)

Und an diesen Tipp anschließend, gleich dieser:

8. Die Luft "brennt"? Es kommt vor, dass gerade an Weihnachten (vielleicht schon lange schwelende) Konflikte die Stimmung zu vermiesen drohen. Ein Wort führt zum anderen und schon: Boom. Man kann sich entscheiden, trägt man sie jetzt aus oder vertagt sie? Diese Entscheidung muss jeder für sich treffen, aber was mir hilft, wenn es mal wieder dazu kommt und ich mich fürs "Vertagen" entscheide: Ich entziehe mich höflich der Situation und verschwinde kurz an einen ruhigen Ort (ja, das kann auch die Toilette sein) und atme einfach mal tief durch. Meine liebste Atemübung für solch brenzligen Momente: Aufrecht hinstellen, langsam und tief in den Bauch atmen (der kann und soll sich ruhig wölben, sieht ja keiner), dabei im Kopf "1" sagen, Atem kurz halten und dann langsam wieder ausatmen, dabei im Kopf "2" sagen. Schon zwei Minuten so zu atmen wirken Wunder.

9. Schreib's auf! Auch wenn Du eigentlich kein Tagebuch oder dergleichen führst, lohnt es sich, gerade während der Feiertage Deine Gedanken und Gefühle zu Papier zu bringen. Es muss kein Roman werden, Du brauchst auch keine vollständigen Sätze. Einfach nur ein Blatt Papier und einen Stift und Du schreibst, malst etc. einfach drauflos. Hauptsache, die Gedanken und Gefühle haben einen Ort und Du musst sie nicht mehr mit Dir rumtragen. Wenn Dir das schwerfällt, dann hilft Dir vielleicht dieser Tipp zum Einstieg: Nimm Dir ein DIN A4 Blatt, beschränke Dich auf eine Seite (ja, Vorder- und Rückseite zählen als eine Seite), falte sie und stecke sie (und alle anderen Seiten, die Du während der Feiertage beschriftet hast) in einen Briefumschlag. Das wars schon. Wenn Du magst magst, klebst Du ihn nach den Feiertagen zu und bewahrst ihn bis zum nächsten Jahr auf. Im kommenden Jahr, am besten Anfang Dezember, schaust Du Dir Deine Seiten noch einmal in Ruhe an. Dadurch gibst Du Dir selbst die Möglichkeit, zu reflektieren und zu schauen, ob Du etwas verändern möchtest. Mir hat das ungemein dabei geholfen, das Weihnachtsfest zu feiern, das sich für meine Familie und mich richtig anfühlt.

10. Und mein letzter Tipp: Übe Dich in Akzeptanz. Manchmal sind Dinge einfach, wie sie nun einmal sind und das zu akzeptieren fällt nicht immer leicht. Akzeptanz bedeutet nicht, dass ich etwas gutheiße, sondern lediglich das ich akzeptiere, dass es Dinge (und Menschen!) gibt, die ich nicht ändern kann. Das Einzige, was ich ändern kann, ist wie ich damit (oder mit ihnen) umgehe.

Und noch etwas: Du fühlst Dich gar nicht "weihnachtlich", die Feststimmung bleibt aus? Macht nix! Das ist auf keinen Fall ein Grund, Dich schlecht zu fühlen oder Dich (wie ich gerne) mit Selbstvorwürfen zu belasten, die machen nichts besser und helfen Dir auch nicht. Zur Achtsamkeit gehört vor allem eines: Der achtsame Umgang mit sich selbst, das Wahrnehmen der eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche; Urteile sind hier fehl am Platz. Ich wiederhole gerne den Satz aus meinem ersten Tipp: Weihnachten ist nur Weihnachten. Es gibt keinen (!) Zwang, auch wenn sich das manchmal so anfühlt, dass Du in Weihnachtsstimmung kommen musst. Weihnachten ist das, was man draus macht. Genieße die freien Tage auf die Art, die Dir gut tut.


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Kommentare on "Achtsamkeit und Weihnachten (10 Tipps für die Feiertage)"
  1. Diesen Beitrag. Ich mag ihn einfach sehr! Danke <3

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    1. Danke! Das freut mich sehr! :-)

      Liebe Grüße
      Nicole

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