Capsule Wardrobe: Mein Weg

14. Februar 2018

Als ich, es ist Jahre her, das erste Mal von dem Konzept "Capsule Wardorbe" hörte, sprach mich das so gar nicht an. Und das nicht aus dem Grund, dass ich Shopping liebe (das Gegenteil trifft eher zu) und ständig neue Kleidung haben möchte (will ich gar nicht). Sondern weil ich mir einfach keine Gedanken um meine Kleidung machen und schon gar keinen "Plan" für meine Kleidung erstellen wollte. Mir erschien das Konzept einfach zu kompliziert und außerdem zu reglementiert, etwas was ich nicht sonderlich mag.
Heute habe ich eine Capsule Wardrobe und bin glücklich damit. Was hat sich geändert? Zum einen mein Leben und somit auch ich, zum anderen mein Blick auf meine Kleidung. Ich entdeckte die Blogs Un-Fancy und Anuschka Rees (damals: into-mind) und wurde neugieriger. Dann lernte ich die wunderbare Sunray (The organized Cardigan) kennen und bekam einen noch tieferen Einblick in das Konzept "Capsule Wardrobe". Ich stellte fest, dass ich im Grunde schon so etwas wie eine Capsule Wardrobe besaß: Lieblingsteile, die beliebig miteinander kombinierbar sind und die ich immerzu trage. Der Rest war Makulatur.

Und so dachte ich zum ersten Mal wirklich über meine Kleidung nach. Mir ging es nicht anders als vielen anderen: Mein Kleiderschrank war randvoll, aber dennoch hatte ich nichts anzuziehen. Oder sagen wir es anders: Ich wollte das meiste davon gar nicht anziehen. Der Großteil meines Kleiderschrankes gehörte zu einer Person, die ich nicht sein wollte, und zu einem Leben, das ich nicht führen wollte. Diese Erkenntnis kam plötzlich, vollkommen ungeplant, aber war unfassbar befreiend. 


MEIN WEG

Ich erstellte ein Moodboard (später folgten für einzelne Styles noch weitere), nutze einen Capsule Wardrobe-Planer und sortierte daraufhin rigoros  all die Kleidung aus, die nicht zu meinem Leben passte. Hierbei  habe ich mich vor allem auf mein Bauchgefühl verlassen und mich nicht von dem "das-muss-man-aber-besitzen"-Gedanken irritieren lassen.

Ich habe alles, wirklich alles aus dem Schrank, den Kommoden, Kisten etc. geholt und Stück für Stück betrachtet. Ich habe drei Stapel angelegt: "Müll", "vielleicht" und "darf bleiben"; ein Stapel kam noch ungeplant hinzu: "Erinnerungen" (dazu gleich mehr). 
Alles, was verwaschen, kaputt oder nicht mehr passte, landete sofort auf dem "Müllstapel". Jedes andere Teil habe ich mir in Ruhe angesehen, mein Moodboard und meinen Planer immer im Auge, und dann entschieden, ob ich es behalte. Alles, was ich behalten wollte, habe ich aufs Bett gelegt und immer wieder miteinander kombiniert (und Fotos gemacht), nur um sicher zu gehen, dass auch wirklich alles die Capsule Wardrobe ergibt, die ich haben wollte. Am Ende unterteilte ich alles, was geblieben ist, noch in drei Stapel: 

  1. Basics für das ganze Jahr 
  2. Hunderundekleidung (ebenfalls unterteilt in Jahreszeiten)
  3. Jahreszeiten

Die Ganzjahresbasics und die Hunderundekleidung wanderte zurück in den Kleiderschrank (nach Kategorien sortiert) und der Rest für die einzelnen Jahreszeiten wurde in Kisten verstaut.

Zuletzt widmete ich mich dem "Erinnerungsstapel", der schwierigste Teil des ganzen Wochenendes - und definitiv etwas für einen eigenen Post. Jetzt nur kurz vorweg: Ich schaffte es an diesem Wochenende, den Stapel, der aus gut 28 Stücken bestand, um ca. die Hälfte zu reduzieren, der Rest folgte später...

So dezimierte sich der Inhalt meines Kleiderschrankes langsam und am Ende des Wochenende um 80%., das bedeutet in Kleiderspendesäcken ausgedrückt: 32 große Säcke randvoll mit Kleidung, die ich nicht wollte, nicht brauchte und zum Großteil noch nie getragen hatte. All das habe ich gespendet (so wie den Großteil unseres Hausstands, aber das ist eine Geschichte für einen anderen Post) und es tat so gut!

Der Blick in meinen Kleiderschrank machte mich glücklich. Alles war übersichtlich, alles war aufgeräumt und vor allem: alles entsprach meinem Leben, meinem Stil und mir. Es fehlten zwar noch ein einige Teile, aber ich freute mich darauf, weiter an meiner Capsule Wardrobe zu basteln (ca. ein halbes Jahr brauchte ich, bis ich nahezu alle Teile zusammen hatte).


Mit dem Problem kommt die Lösung

Wie gesagt: Das Aussortieren ging schnell (wie bereits erwähnt: ein Wochenende), das Spenden der Kleidung allerdings nicht. Da standen nun all diese Säcke (im Weg rum!!!) und ich musste mich mit ihnen auseinandersetzen. Ich wollte all das, was darin war, nicht mehr, aber die Trennung viel mir dennoch schwer. Zwei Gedanken hinderten mich daran, die Säcke wegzubringen:

- Was ist wenn du XY doch mal brauchst?!
- Vieles davon war echt teuer, das "entsorgt" man doch nicht! 

Es war frustrierend. Wie gesagt: Der Blick in meinen Kleiderschrank machte mich glücklich, aber diese beiden Gedanken nagten an mir. Ich war der Verzweiflung nahe, aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich laut zu mir sagte:

Ja, ich habe viel Geld für den Pulli, die Hose etc. ausgegeben, aber das Geld ist weg und kommt auch nicht mehr wieder. Und nein, ich brauche kein Abendkleid, keine 10 Blazer, keine 5 schicken Hosen, keine 8 Blusen etc., ich trage sie nicht und werde sie auch nicht tragen. Es nutzt also überhaupt nichts, wenn ich all das behalte. Es belastet mich und das kann ich nicht gebrauchen. Alles kommt jetzt weg!

Gesagt, getan. Ich packte unsere Autos voll und wir brachten alles (in drei Fuhren) zur Kleiderspende. Die ersten zwei Stunden danach fühlte ich mich großartig (tapfer und mutig), die nächsten drei Stunden quälten mich die beiden Gedanken wieder - und die Frage: Habe ich jetzt doch etwas "entsorgt", das mir fehlen wird? Zwei Tage ging das so. Aber am dritten Tag ging es mir besser, warum kann ich nicht sagen, es war einfach so. Und ja, es gibt ein paar wenige Teile, die ich vielleicht hätte behalten sollen, sie fehlen mir. Nicht weil ich sie brauche, sondern aus Sentimentalität. Aber das belastet mich nicht weiter. Ich schaue nicht zurück, ich schaue nach vorne. Und mit Freude in meinen Kleiderschrank.

Mach Dir Deine eigenen Regeln

Ich muss gestehen, dass meine Capsule Wardrobe sicherlich kein Paradebeispiel ist, denn an fast alle "Regeln", die es so gibt, habe ich mich nicht gehalten. Zwei Beispiele:
-Ich habe nicht 33 Teile pro Saison, sondern habe einen Grundstock an Basics, die ich mit in jede Saison nehme (z.B. weiße Longsleeves) und dann mit anderen Stücken kombiniere.
- Basics, die man haben muss, habe ich nicht, ganz einfach aus dem Grund, dass ich sie nicht brauche. Ein Beispiel: das kleine Schwarze, DAS Kleid für jede Gelegenheit. Also ich habe diese Gelegenheit nicht (bzw. vermeide sie), also muss das auch nicht in meinem Schrank hängen.

Bei dem "Aufbau" meiner Capsule Wardrobe war für mich nur eines wichtig: Dass sie zu meinem Leben, meinem Stil und mir passt - ich möchte mich wohlfühlen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Wie meine Capsule Wardrobe heute aussieht, zeige ich Euch dann in den nächsten Beiträgen.


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