Wie die DSGVO das Bloggen verändert

5. Mai 2018

Als ich damals mit meinem ersten Blog StreifenLiebe startete, wollte ich mir mein eigenes kleines Zuhause im Internet schaffen, in dem jeder herzlich willkommen ist. Und dieser Grundgedanke steckt auch hinter moments of mine - und ich teile ihn mit Chiara Ferragni, die ähnliches über ihren Blog sagte:

"When I started my blog, I wanted it to be like my house - my own little place that anyone could come to."

Damit hören die Gemeinsamkeiten zwischen Chiara Ferragni und mir wohl auch schon auf. Sie ist eine der erfolgreichsten Bloggerinnen unserer Zeit und mittlerweile Millionärin - und das hat sie alleine ihrem erfolgreichen Blog zu verdanken. Sie ist also eine professionelle Bloggerin. Ich bin es nicht: moments of mine ist mein Hobby (wenn man einen Blog denn so bezeichnen mag), ich verdiene kein Geld mit meinen Blog. Und ein Hobby sollte Spaß machen. Und ja, bloggen macht mir großen Spaß. Ich liebe die kreative Zeit, die ich in moments of mine investiere. Liebe die schönen Momente, die nur mir gehören, wenn ich meine Posts plane und schreibe. Und ich liebe es, meine Gedanken, Erlebnisse usw. mit Euch zu teilen. Kurzum: Ich mache das alles zum "Vergnügen" wie man so schön sagt.

Aber das mit dem Vergnügen ist so eine Sache: Als Blogger muss man so einiges Rechtliches beachten; ja, auch wenn es nur ein "persönlicher Blog" ist, da die rechtliche Definition von "persönlicher Blog" eine äußerst schwierige Gradwanderung ist. Einfach drauflos schreiben und veröffentlichen geht schon lange nicht mehr. Es gibt die Auskunftspflicht (u.a. Impressum), die Kennzeichnungspflicht (bei Werbung, wobei hier seit Jahren heiß diskutiert wird, wann was Werbung ist und wann nicht) usw. Und ab Mai kommt eine erweiterte Datenschutzverordnung hinzu, die das Bloggen (ob nun aus Spaß oder weil es die Miete bezahlt) nicht unbedingt attraktiver macht.

Wichtiger Hinweis vorab:
Ich bin weder Jurist noch Datenschutzexperte. Daher wird auf inhaltliche Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie den möglicherweise daraus entstehenden Folgen, die sich beispielsweise aus Deiner Umsetzung ergeben, keine Gewähr übernommen.

Die neue Datenschutzverordnung der EU

Am 25. Mai 2018 tritt europaweit die General Data Protection Regulation (deutsche Übersetzung: Datenschutz-Grundverordnung, kurz DSGVO) in Kraft und versetzt die Bloggerwelt seit Wochen in helle Aufruhr. Und das ist mehr als verständlich, denn das, was die DSGVO uns sagen (oder besser vorschreiben) möchte, ist nicht ganz so einfach zu verstehen, auch nicht für gestandene Juristen.
Die DSGVO soll Internetnutzer, also auch Blogleser, nun besser vor Datenmissbrauch schützen. In erster Linie bedeutet das, dass der Nutzer (Leser) nun im Vorfeld darüber informiert werden soll, dass z.B. ein Datenaustausch oder die Speicherung von Daten stattfindet. Das ist Kurzfassung. Die ausführliche Fassung könnt Ihr HIER nachlesen.

Für uns Blogger bedeutet das grob vereinfacht: Die DSGVO besagt, dass ein Leser über alles informiert werden muss, was auf der Seite hinsichtlich eines (möglichen und meist sogar vollkommen harmlosen) Datenaustausches so "passiert" und vor allem muss der Leser auch zu allem seine Zustimmung geben.
Nehmen wir ein Beispiel, das wohl jeder kennt: das beliebte Insatgram-Plugin. Das findet man auf 99% aller Blogs. Ist ja auch toll: Man "verknüpft" den eigenen Blog mit Instagram (meist via Script über einen Drittanbieter), sodass die Leser auf dem Blog eine Art Galerie mit den neusten Instagrambildern sehen können. Aber das ist nicht mehr erlaubt, denn mein Blog stellt auf hier eine Verbindung zu Instagram her und es werden "im Hintergrund" Daten ausgetauscht, ohne dass der Leser dem zugestimmt hat - und das müsste der Leser nach DSGVO aber vorher. Das bedeutet: Ohne explizite Zustimmung keine Instagramgalerie (im Footer, in der Sidebar oder wo auch immer).

Was bedeutet das für meinen Blog?

Juristisch bin ich durchaus vorgebildet, das ist eine lange Familientradition (die ich als schwarzes Schaf durchbrochen habe, indem ich mich gegen ein Jurastudium und eine Karriere als Anwältin, Staatsanwältin oder Richterin entschieden habe). Also sind Gesetzestexte für mich nichts Außergewöhnliches und es fällt mir in der Regel leicht, sie zu verstehen. Aber das DSGVO ist anders, denn es gibt dort mehr als eine - nennen wir es nett formuliert - rechtliche "Leerstelle", die dazu führt, dass nicht zu 100% klar ist, für wenn diese Verordnung nicht tatsächlich gilt und was genau - bis in die letzte Konsequenz gedacht - damit nun eigentlich gemeint ist.

Man könnte schon ganz am Anfang beginnen: Für wen gilt die DSGVO eigentlich? Schaut man in die Verordnung, so findet man dort folgenden Satz in Art. 2:

"Diese Verordnung findet keine Anwendung auf die Verarbeitung personenbezogener Daten [...] durch natürliche Personen zur Ausübung ausschließlich persönlicher oder familiärer Tätigkeiten"

Ich bin eine natürliche Person und mein Blog ist eine persönliche Tätigkeit (hier sind wir wieder beim Vergnügen). Also gilt die DSGVO dann für mich eigentlich nicht, oder?!  Dieser Meinung ist übrigens auch Ritchie Pettauer, Online Strategie Berater und Lektor an der Universität Wien:


 Quelle: datenschmutz.net

Ich für meinen Teil habe Juristen befragt und neben vielen, vielen Worten (Juristen halt) erhielt ich drei unterschiedliche Antworten, die im Kern allerdings das Gleiche aussagen: So genau weiß man es derzeit nicht und es wäre ja nicht verkehrt, sich an die DSGVO zu halten. So ist das halt, wenn man mit Juristen spricht, ich kenne das.

Kurzum: Ich habe mit an den "Rat" der Juristen gehalten und aus diesem Grund gibt es hier auf dem Blog ein paar Änderungen (bezogen auf das, was auf meinen Blog zutrifft):

Cookiemeldung: Die wird eingeblendet, sobald Ihr meinen Blog aufruft. Diese habe ich angepasst und Ihr gelangt von dort aus sofort zur Datenschutzerklärung. 

Google Fonts: Die sind jetzt böse, weil auch hier möglicherweise wieder ein Datenaustausch stattfinden könnte. Wie sich das genau bei Blogs verhält, die unter Blogger laufen, ist weiterhin unklar, da Blogger ein Produkt von Google ist. Bisher scheint es so, dass Google Fonts bei Blogger-Blogs nicht relevant sind, da Google theoretisch - so die Annahme - so oder so schon die technische Möglichkeit hat, Daten zu sammeln.
Instagram- und Pinterest-Plugins: Die habe ich beide entfernt, da auch hier wieder ein Datenaustausch stattfindet. (Mehr dazu findest Du weiter oben im Text.) Der Pinterest-Hoverbutton ist allerdings geblieben, da er ein einfacher Textlink ist.

Nun zu dem, auf das ich nur begrenzt Einfluss habe, da mein Blog unter Blogger läuft:

Abonnieren des Blogs (per Email): Einfach mal schnell den Vornamen und die Emailadresse eingeben und alle neuen Posts per Email erhalten. Super Sache, vor allem wenn man keinen Feedreader nutzen möchte. Aber diese Daten werden von Blogger gespeichert (ich bekomme diese Daten nicht!). Allerdings ist das nach DSGVO nur noch rechtens, wenn der Leser sich nach der Eingabe seiner Daten und vor dem Absenden der Daten noch einmal explizit damit einverstanden erklärt, dass die Daten von Blogger gespeichert werden. Da Blogger diese Möglichkeit derzeit (Stand: April 2018) noch nicht anbietet, habe ich mich entschlossen,  die Funktion zu deaktivieren. 

Kontaktformular: Hier verhält es sich wie beim Abonnieren, also gibt es jetzt auch kein Kontaktformular mehr.

Kommentare: Auch hier müssen Leser, die kommentieren möchten, vor Absenden ihres Kommentares der Datenübermittlung und möglichen Speicherung ihrer Daten zustimmen. Leider bietet Blogger derzeit (Stand April 2018) diese Möglichkeit noch nicht an. Dennoch habe ich mich dazu entschlossen, die Kommentarfunktion nicht zu deaktivieren. Allerdings weise ich jetzt explizit auf die mögliche Datenspeicherung hin. Das ist keine optimale Lösung, aber ein Blog ohne Kommentarfunktion? Für mich derzeit nicht denkbar!

UPDATE: Zu den Kontaktmöglichkeiten auf einer Webseite hat Rechtsanwalt Stephan Hansen-Oest, Fachanwalt für IT-Recht, einen überaus verständlichen Podcast aufgenommen, in dem er erklärt, warum die von vielen geforderte Checkbox sogar eher kontraproduktiv ist und wie DSGVO  hinsichtlich der Kommunikationsmöglichkeiten auf einer Internetseite zu verstehen ist. Zum Postcast gelangt Ihr HIER.

Wie eingangs schon erwähnt: die DSGVO verunsichert viele Blogger.  Ich möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie viele wunderbare (kleine) Blogs in der nächsten Zeit möglicherweise schließen werden. Diese "Aussicht" macht mich traurig und ich frage mich, wie es mit uns Bloggern weitergehen soll, wenn 2019 dann auch noch die ePrivacy Verordnung (ePV) in Kraft tritt; mehr Infos findet Ihr dazu in der nachfolgenden Linksammlung.

Weiterführende Links

Wer noch mehr über dieses Thema wissen möchte, für den habe ich ein paar interessante Links zusammengestellt:

https://datenschmutz.net/dsgvo-checkliste-fuer-blogs/
https://drschwenke.de/datenschutz-eprivacy-online-marketing-cookies/
https://www.e-recht24.de/datenschutzgrundverordnung.html
https://www.wko.at/service/wirtschaftsrecht-gewerberecht/eu-dsgvo-muster-verarbeitungsverzeichnis-verantwortliche.html
https://www.bvdw.org/themen/recht/eprivacy-verordnung/

Da man zu Blogs, die unter Wordpress betrieben werden, umgehend eine riesige Menge findet, wenn man es in einer Suchmaschine (Deiner Wahl) sucht, hier ein zwei Links zu Blogs, die unter Blogger betrieben werden:

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