27. Juni 2018

Was ich heute nicht mehr kaufe und warum

Seitdem ich mich mit Minimalismus beschäftigte, hat sich in meinem Leben viel verändert. Ich habe alte Denkmuster und Handlungsweisen hinterfragt und lebe heute viel bewusster als früher. Das spiegelt sich in vielen Bereichen meines Lebens wider, so auch in meinem "Konsumverhalten". Ich war zwar nie eine "Shoppingqueen", aber dennoch habe ich viel zu häufig einfach etwas gekauft, ohne groß darüber nachzudenken, ob ich das wirklich benötige und was mich dazu bewegt, XY jetzt unbedingt haben zu wollen.

Das Aha-Erlebnis

So richtig bewusst wurde mir das, als ich vor zwei Jahren meinen Make up-Koffer (ja, richtig gelesen: Koffer!) reinigte. Ich packte alles aus und war fast schon erschrocken darüber, wie viel dekorative Kosmetik ich besaß. Bei all dem, was da vor mir lag, hätte man auf die Idee kommen können, dass ich ein Make up-Artist  bin und damit meinen Lebensunterhalt verdiene. Aber nein, all das hatte ich nur für mich gekauft: unzählige Lidschatten, Kajalstifte, Mascaras, diverse Pinsel und Unmengen an Lippenstiften usw. Alleine die ganzen Lippenstifte schockierten mich, da ich nie Lippenstifte benutze. Ich sortierte alles aus, was ich nicht benötigte und behielt nur das, was ich wirklich nutze: Mineralpuder, Mascara, einen Lidschatten und einen Kajalstift. Aus dem Koffer (den heute mein Mann für sein Werkzeug nutzt) wurde ein kleines Kosmetiktäschchen, das in jede Handtasche passt.

Perspektivwechsel: die richtigen Fragen stellen

Die darauffolgenden Wochen beschäftigen mich viele Fragen: Warum habe ich all das überhaupt gekauft? Insbesondere in Hinblick darauf, dass 2/3 davon unbenutzt waren. Und ich fragte mich: Geht mir das mit anderen Dingen ebenso? Ich begab mich auf die Suche. Und die Antwort lautete: Ja, ich kaufte vieles einfach unbedacht, weil ich es hübsch fand, es eine Momententscheidung war, ich einfach spontan Lust auf etwas Neues hatte, ich dachte, das brauche ich, weil ich es noch nicht habe (was niemals richtig war: ich hatte so etwas bereits, wusste es nur nicht mehr), es aus einer Gewohnheit heraus passierte usw.   

Nachdem mir das bewusst wurde, veränderte sich mein Kaufverhalten komplett. Ich erkannte, dass Spontanität und Einkaufen für mich keine gute Kombi ist. Heute denke ich wirklich darüber nach, was und vor allem warum ich etwas kaufen möchte. Ich achte mehr auf mich, meine Bürfnisse und meine Stimmungen. Aus all dem hat sich ein kleiner, aber wichtiger Fragenkatalog für mich ergeben und den ich im Kopf mittlerweile automatisch durchlaufe, wenn ich etwas kaufen möchte, was nicht auf meiner Einkaufsliste steht: 

  • Warum möchte ich das jetzt kaufen? (Hier achte ich besonders auf meine Stimmung.)
  • Brauche ich es wirklich?
  • Werde ich es wirklich nutzen? Wenn ja, wie oft werde ich es nutzen? 
  • Passt es zu mir? 
  • Kann ich es kombinieren?
  • Habe ich so etwas nicht schon längst?

Es passiert mir allerdings auch heute noch, dass ich etwas sehe, was ich ganz fabelhaft finde und mich selbst ein wenig austrickse, indem ich richtig gute Gründe finde, warum ich das haben muss. Aber heute ist da eben auch die kleine Stimme, die mich (vor mir selbst) warnt. Passiert so etwas, dann warte ich 24 Stunden; möchte ich es danach immer noch kaufen, dann mache ich das. Aber das ist bisher vielleicht ein, zwei Male vorgekommen.

Was ich heute nicht mehr einfach so kaufe

Es war eine überaus wohltuende Erkenntnis und eine, die mein Kaufverhalten nachhaltig änderte. Heute achte ich viel mehr darauf, was ich kaufe und ich kaufe nur noch das, was zu mir un meinem Leben passt  (insbesondere gilt dies für Kleidung; siehe dazu HIER) und  was ich benötige. Die Liste der Dinge, die ich aus unerfindlichen Gründen einfach so kaufte ist lang; hier eine Auswahl: 

Zeitschriften: Ich war so etwas wie ein treuer Leser. Ich kaufte diverse Zeitschriften ohne darüber nachzudenken oder reinzuschauen, ob mir der Inhalt zusagt. Kurzum: Ich kaufte sie  einfach aus Gewohnheit. Zuhause habe ich sie dann entweder nur kurz durchgeblättert und war enttäuscht, oder ich habe sie in den Zeitschriftenständer gepackt und meist vergessen. Das passiert mir heute nicht mehr. Ich kaufe nicht mehr einfach so eine Zeitschrift, sondern schaue sie mir vorher kurz an, ob mich der Inhalt interessiert und dann erst kaufe ich sie. 

Notizbücher: Es gab Zeiten, in denen ich nicht an hübschen Notizbüchern vorbeigehen konnte. Ein kurzer Blick genügte und schon kaufte ich das x-te Notizbuch, ohne groß darüber nachzudenken. Die Konsequenz: Zuhause stapelten sich leere oder kaum beschriebene Notizbücher. Als wir letztes Jahr "spontan" umgezogen sind, wurde mir das Ausmaß erst richtig bewusst: Ganze 42 (!) Notizbücher lagen vor mir, davon über die Hälfte leer. Heute sind davon gerade einmal vier Stück übrig (der Rest wurde entweder entsorgt oder gespendet) und davon sind zwei bereits in Gebrauch. Erst wenn alle vier voll sind, werde ich neue besorgen. 

Tassen: Ebenso wie bei den Notizbüchern verhielt es sich bei Tassen. Ich war ein regelrechter Tassenjunkie. Und mit jeder neuen Tasse fühlte ich mich schlechter, sie stressten mich regelrecht. Kaum ein Morgen verging, an dem ich nicht schon vor dem ersten Kaffee gestresst war, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welche Tasse ich heute benutzen möchte. Ich weiß, dass das seltsam klingt, aber das ändert nichts daran, dass es so war. Irgendwann wurde es mir einfach zu viel und ich verabschiedete mich von den Unmengen an Tassen (ganze 38!), habe sie entsorgt oder gespendet. Heute besitze ich nur noch meine Lieblingstassen (4 Stück) und fühlte mich viel befreiter.  Tassen kaufe ich nicht mehr - und wenn mir doch eine gefällt, dann muss eine alte weichen. 

Deko: Obwohl mein Einrichtungsstil immer schon eher minimalistisch war, viel Deko stand nie rum, besaß ich ganze Schränke voll von ungenutzter Dekorationsartikel. Zusammen mit den Notizbüchern und Tassen hätte ich eigentlich einen kleinen Dekoladen eröffnen können, so viel war das. Und ähnlich wie bei den Notizbüchern wurde mir das Ausmaß erst beim Umzug bewusst und auch hier war ich wieder geschockt: Warum habe ich das alles gekauft? Hatte ich insgeheim doch denn Wunsch in ein 18 Zimmer-Haus zu ziehen, damit ich all die Deko nutzen kann? Ich dekoriere lediglich zu den Jahreszeiten um, also wozu all diese Deko? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich den Großteil aus einer Laune heraus  gekauft habe, ohne nachzudenken und ohne mich zu fragen, ob das überhaupt zu dem passt, was ich schon besitze. Also habe ich über 8 XXL-Kisten Deko gespendet und nur das behalten, was ich wirklich nutze und was miteinander kombinierbar ist. Das alles passt heute in eine mittelgroße Box und das macht mich wirklich glücklich. 

Nagellacke: Das ist der abstruseste Tick von allen, wie ich finde. Ich mag Nagellack und habe genau drei Lieblingstöne: dunkelrot, grau und mauve. Die nutze ich regelmäßig und auch nur die. Aber - ähnlich wie beim oben erwähnten Make up - hatte ich unzählige Lacke, viele davon in Farbtönen, die mir gar nicht stehen, oder ein und dieselbe Farbe in zwanzigfacher Ausführung. Um es kurz zu machen: Bis auf drei Lacke - in den oben beschriebenen Farben - kamen alle weg. Und ein neuer Lack wird nur dann gekauft, wenn ein alter Lack leer ist. Und von Farbexperimenten lasse ich heute gleich die Finger. 

Nahrungsmittel auf Vorrat: In unserer alten Wohnung hatten wir einen großen Vorratsschrank, der mit allen möglichen Lebensmitteln vollgestellt war, sogar mit solchen, die wir nur sehr selten bis gar nicht aßen. Daraus ergab sich, dass alle paar Monate eine ganze Menge Lebensmittel im Müll landete, was ich schlimm fand. Und dennoch änderte sich meine Einkaufsstrategie nicht. Ich dachte immerzu: Vielleicht mache ich ja doch mal dieses oder jenes Gericht, dann kann ich XY sehr gut brauchen. Passiert ist es allerdings nie. Eines Tages kam ich mit meinen vollgepackten Einkaufstaschen nach Hause und wollte die Einkäufe in den Schrank räumen. Und da stand ich nun und musste erkennen, dass ich schon wieder viel zu viel gekauft hatte und dazu auch noch vieles, was wir schon längst im Schrank hatten - und was teilweise sogar schon abgelaufen war. In diesem Moment war ich so wütend auf mich selbst und frustriert, dass ich alles, was wir nicht wirklich nutzen, aus dem Schrank holte und spendete. Seit diesem Tag passieren mir solche Einkäufe nicht mehr. Heute plane ich die Mahlzeiten fürs Wochenende (ich esse in der Woche nichts "Warmes"), schaue ins Vorratsregal (das genau zwei Regelbretter hat) und mache mir vor jedem Einkauf einen Einkaufszettel, an den ich mich auch halte. Haben wir spontan doch Lust auf etwas anderes, so kaufe ich das an dem Tag ein.

Freiheit, nicht Beschränkung

Seitdem sich mein Einkaufsverhalten verändert hat, fühle ich mich befreiter und zufriedener, da ich mich nicht mehr von diffusen Gefühlen, Gewohnheiten und Co. leiten lasse. Natürlich kaufe ich hin und wieder etwas Neues und freue mich dann auch darüber, aber eben nur, wenn es wirklich meine Entscheidung ist und nicht die einer spontanen Laune.  Und nein, ich bin nicht perfekt: Auch heute gibt es Fehlkäufe, aber eben nur sehr selten - und nur darauf kommt es an.
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