23. August 2018

Nein, jetzt nicht. {Entschleunigung im Alltag}

Ich habe durch die Arbeit mit Hunden sehr viel gelernt und zu den wichtigsten Dingen gehört definitiv: sich Zeit zu nehmen; einfach mal zu sagen: "Nein, jetzt nicht." Für mich eine große Sache, denn diesen auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkenden Satz, der aber eine große Aussagekraft besitzt, hätte ich vor Jahren nicht einfach so über die Lippen bekommen.

Hätte es eine Wahl zur "Miss Mach-ich-sofort" gegeben, ich hätte sie gewinnen können. Denn so kannte ich es und so habe ich funktioniert. Sobald mich jemand um etwas gebeten hat, habe ich es (wenn möglich) sofort erledigt. Ich war immer auf dem Sprung zum nächsten Projekt, zur nächsten Aufgabe, zum nächsten "Was als nächstes?" Mitten im Hamsterrad eben, das mir von außen und innen vorgegeben wurde.

Durch die Arbeit mit den Hunden merkte ich schnell, dass das nicht funktioniert und ich damit niemandem - weder den Hunden noch mir - wirklich gerecht werde. Achtsame Arbeit mit Hunden sieht anders aus und achtsam leben sowieso, das habe ich mit und mit verstanden. Ich spürte, dass das Hamsterrad zu klein, zu unflexibel geworden ist, also stieg ich hin und wieder einfach aus - und das mit dem so lapidar klingenden Satz: "Nein, jetzt nicht."

Sicher: Den Satz zu sagen - vor allem das erste Mal - erfordert etwas Mut und manchmal auch eine weitere Erklärung (gerade beruflich), aber meine ganzen Befürchtigen und Sorgen, was alles Schlimmes passieren könnte, wenn ich ihn laut ausspreche, habe sich nicht bewahrheitet. Seitdem ich erkannt habe, dass es durchaus in meiner Macht liegt, aus dem Hamsterrad auszusteigen - und sei es auch nur für kurze Zeit -, geht es mir deutlich besser und bin motivierter, konzentrierter und letztlich auch effektiver.
Denn durch diesen kleinen Satz gebe ich mir Zeit und Raum und ziehe eine klare Grenze. So erhalte ich die Möglichkeit, achtsamer mit mir und mit all dem, was um mich herum passiert, umzugehen, eine kleine Atempause einzulegen und eine neue Perspektive einzunehmen. So gebe ich mir selbst die Chance, zu spüren, wie es mir geht, darüber nachzudenken, wie ich weiter machen möchte, meine nächsten Schritte zu planen, etwas zu resümieren und Situationen zu überdenken. Oder ganz einfach mal "im Moment zu sein" und nichts weiter zu wollen oder zu machen. 

Für mich ist das meine kleine, aber so wichtige Entschleunigung im Alltag: das Tempo rausnehmen, kurz stehenbleiben und innehalten. Und oftmals ist das alles, was nötig ist, um weiterzumachen. 


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