Glaub nicht alles, was du denkst

14. September 2018

Ich habe schon oft darüber geschrieben, wie sehr mir Achtsamkeit in den letzten Jahren geholfen hat. So auch in meinem Post Was ich in den letzten Jahren durch Achtsamkeit gelernt habe. Die erste Erkenntnis lautete: "Glaub nicht alles, was du denkst." Oder anders ausgedrückt: Meine Gedanken sind nicht zwingend Fakten.

Ein Beispiel

Früher habe ich mir oft Gedanken darüber gemacht, was bestimmte Menschen von mir denken. Über das, was ich sage, was ich tue, was ich trage, wer ich bin. Jede noch so kleine Reaktion, jeder Blick, jedes Wort eines anderen wurde von mir genau unter die Lupe genommen und am Ende fiel ihre mögliche (!) Meinung über mich nicht gerade nett aus. Und ich war fest davon überzeugt, dass das, was ich denke, auch der Realität entspricht.
Und so ging es mir mit vielen Gedanken, die in meinem Kopf rumspukten. Ich war ein konstanter Grübler, nahm jede noch so kleine Sorge, noch so kleine Unsicherheit usw. unfassbar ernst und das machte alles nur schlimmer. Ich kaute Vergangenes wieder und wieder in meinem Kopf durch und erlebte unangenehme Momente immer und immer wieder erneut , mit all den negativen Gefühlen, die ich damals in der Situation eben auch fühlte. Mein Gedankenkarussell  schien sich zu verselbstständigen und ich fühlte mich oft hilflos und ergab mich meist, indem ich meinen Gedanken glaubte und ihnen erlaubte, mein Fühlen und Handeln zu bestimmen. Ein wirklich zermürbender Zustand.


Ich bin nicht  meine Gedanken

Bezogen auf mein Beispiel weiß ich heute: Ich war unsicher, mit mir selbst nicht im Reinen und hatte keine allzu hohe Meinung von mir selbst. All das habe ich auf andere übertragen und natürlich musste das Ergebnis - die Meinung anderer über mich - in meinem Kopf ebenso geringschätzend ausfallen wie meine eigene. Das habe ich verstanden, als ich diesen Gedanken nicht mehr "blind" hingenommen habe, sondern mich mit ihm auseinandersetzte, mit etwas Abstand, in Ruhe und ohne Wertung. Das hat ihm den Schrecken genommen und hat mich näher zu mir gebracht.  

Ich erkannte, dass das, was ich denke, nicht zwangsläufig der Realität entspricht, dass meine Gedanken keine unumstößlichen Wahrheiten sind. Meine Sorgen, meine Befürchtungen, meine Ängste usw. beeinflussen mein Denken, aber all das bedeutet nicht, dass ich jeden negativen Gedanken auch ernstnehmen muss und ihn somit zu meiner Realität werden lasse.

Diese Erkenntnisse erlangte ich mit Hilfe der Achtsamkeit und der Konzentration auf das Hier und Jetzt. Ich lernte meine negativen Gedanken mit dem nötigen Abstand und ohne Wertung zu betrachten, sie zu hinterfragen und vor allem, dass es in meiner Macht liegt, mich zu entscheiden, ob ich mich mit diesen Gedanken beschäftigen möchte oder eben nicht. Ich lernte, gelassener mit ihnen umzugehen, mich nicht mehr von ihnen mitreißen zu lassen und vor allem auch, einen negativen Gedanken positiv "umzudenken". Dabei hilft es mir ungemein, dass ich gelernt habe, achtsam zu sprechen, aber das ist ein ganz eigenes Thema für einen anderen Post (an dem ich schon fleißig schreibe).  

Wie ich heute mit negativen Gedanken umgehe & drei Tipps

Taucht heute mal wieder ein negativer Gedanke auf, entscheide ich mich, ob ich ihm meine Aufmerksamkeit schenke oder mich lieber mit etwas anderem beschäftige. Und wenn es ein besonders hartnäckiger Gedanke ist, der da in meinem Kopf Unruhe verursacht, habe ich kleine "Tricks", mit denen ich mich schnell wieder ins Hier und Jetzt zurückholen kann, z.B. diese drei:

Nummer 1:

Ich sage laut "Stopp" in meinem Kopf und konzentriere mich drei Minuten ausschließlich auf meine Atmung. Ich setze mich aufrecht hin, atme tief ein und aus und zähle die Atemzüge im Kopf: Ich "denke" eins, wenn ich einatme, und zwei, wenn ich ausatme. Schweifen meine Gedanken ab, fange ich von vorne an.

Nummer 2:

Bewegung. Sobald es im Kopf zu laut wird, bewege ich mich. Habe ich nur wenig Zeit, dann mache ich Kniebeugen oder einfache Yogaübungen. Habe ich mehr Zeit, schnappe ich mir Herrn Otto und wir gehen in den Wald oder an einen Fluss (an beiden Orten kommt mein Kopf fast automatisch zur Ruhe) oder ich mache Sport. Hauptsache, ich bewege mich und konzentriere mich auf etwas anders.

Nummer 3:

Ich nehme mir zehn Minuten Zeit (mit Stoppuhr), setze ich mich hin, schreibe den negativen Gedanken auf ein leeres Blatt (in die Mitte) und notiere mir auf der linken Seite alles "Negative", was mir spontan dazu einfällt. Dann schaue ich mir den negativen Gedanken noch einmal in Ruhe und versuche den negativen Gedanken positive (realistische, neutrale) und konstruktive Gedanken gegenüberzustellen (Stichwort: positiv "umdenken"), die ich auf der rechten Seite des Blattes sammle. Das hilft ungemein dabei, den negativen Gedanken ihren Schrecken zu nehmen.

Freiheit

Die negativen Gedanken sind nicht verschwunden, manchmal dreht das Gedankenkarussell noch fröhlich seine Runden.  Aber ich kann es heute stoppen und mit meinen Gedanken deutlich besser umgehen, da Achtsamkeit nun so eine Art Puffer zwischen meinen negativen Gedanken und meinen Gefühle bzw. Handlungen bildet. Und dadurch fühle mich heute freier und zufriedener - und dankbar.


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