Minimalistisch wohnen & Tipps zum Ausmisten

Menschen, die uns in unserem Zuhause besuchen, sind oft überrascht. Sie wissen, dass wir Minimalisten sind (nebenbei bemerkt: ich mehr, er weniger) und haben offensichtlich eine gewisse Erwartungshaltung, wenn sie zu uns kommen: Eine eher karg, lediglich funktional eingerichtete Wohnung, mit ausgewählten Designerstücken und stereotypisch kalt und monochrom. Und dann stehen sie in unserer Wohnung und sind überrascht, dass unsere Wohnung so gar nicht ihren Vorstellungen entspricht.


Minimalistisch wohnen: unser Weg


Unsere Wohnung ist das Gegenteil von kalt und monochrom. Designermöbelstücke sucht man hier vergebens und kalt eingerichtet (viel weiß, viel Chrom) ist sie schon mal gar nicht. Unsere Wohnung ist gemütlich, warm (durch viel unbehandeltes Holz) und behaglich. Sie ist also weit entfernt von dem, was man allgemeinhin von einer minimalistischen Wohnung erwartet. Wir entsprechen diesem Klischee nicht - und ich persönlich glaube auch, dass die wenigsten Minimalisten dem propagierten Klischee entsprechen. Und obwohl wir sicherlich nicht der üblichen Erwartung entsprechen, würde ich unseren Einrichtungsstil als minimalistisch beschreiben:

// alles hat seinen festen Platz, nichts steht unnötig herum, alles ist sorgsam in Kisten, Körben, Schubladen und Schränken verstaut
// alle Räume wirken luftig und hell (besonders die Küche, weil der Raum zusätzlich zu den beiden großen Fenstern noch über ein Oberlicht verfügt)
// unnötige Möbelstücke, die nur gut aussehen, findet man hier nicht, insgesamt besitzen wir nur wenige Möbel (besonders in der Küche; siehe unten)
// wenig, aber dafür ausgewählte Deko, die den Räumen Persönlichkeit schenken 
// viel indirektes Licht für eine behagliche Atmosphäre
// viele Grünpflanzen und ein warmes Farbschema, das sich durch alle Räume zieht 

Für uns bietet ein minimalistisches Zuhause viele Vorteile, z.B.:

  • mehr Platz
  • weniger putzen 
  • weniger Frustration und Stress (z.B. durch ständiges Suchen und einem "Zu-viel-von-allem")
  • mehr Geld
  • ein schönes, ordentliches Zuhause
  • mehr Zeit
  • weniger Müll

Zwei für mich persönlich sehr wichtige Vorteile: Die Zeitersparnis, da die Reinigung schneller geht und man alles sofort findet, da alles seinen festen Platz hat, und die beruhigende Wirkung, die ein aufgeräumtes und luftiges Zuhause ausstrahlt. Aber der für mich wohl größte Vorteil: Weniger zu besitzen bedeutet für mich ein Mehr an Freiheit. 

Tipps für ein "minimalistisches Zuhause"


Gleich der wohl wichtigste Tipp vorab: Schaffe Dir ein Zuhause, in dem Du Dich wohlfühlst und das Dir und Deinem Leben entspricht - und nicht einen Pinterest- oder Instagramideal. 
 
Übrigens sind wir zu unserem minimalistischen Zuhause "gekommen", indem wir alles aussortiert haben, was uns überflüssig erschien (galt auch für Möbel) und einfach nur das nutzten, was übrig blieb.
 
  • trenne dich von allem aus, was du nicht nutzt oder was dich nicht glücklich macht (siehe unten)
  • verabschiede Dich von falschen Idealen 
  • nutze, was Du hast (z.B. kannst Du auch Möbelstücke für deine Bedürfnisse umfunktionieren) und kaufe nur wenn nötig Neues
  • schaffe eine helle, luftige Atmosphäre, indem du auf die Größe und Anzahl deiner Möbel achtest und dich für neutrale bzw. helle Wandfarben entscheidest und keine schweren Stoffe (z.B. für Vorhänge) verwendest
  • nutze viele indirekte Lichtquellen
  • halte die Oberflächen frei von "Krims-Kram" (nur ausgewählte Deko, Überflüssiges in Boxes, Kisten, Körben etc. verstauen, alles hat seinen festen Platz) und lege alles, was Du benutzt hast, sofort wieder zurück an seinen angestammten Platz 

Tipps zum Ausmisten

Übers Ausmisten sind schon ganze Bücher geschrieben worden und auch im WWW findet man unzählige Tipps. Die Tipps, die ich geben möchte, sind die, die sich im Laufe meiner Minimalismusreise bewährt haben und auf die ich immer wieder zurückgreife. Im Anschluss habe ich noch ein paar Buchtipps angefügt für alle, die mehr Rat benötigen.

Der Anfang

Ich bin ein Gewohnheitstier, sehr emotional und hänge sehr schnell an etwas, auch an Dingen, die ich eigentlich gar nicht brauche. Das zu erkennen, war für mich der erste entscheidene Schritt - und dieser führte mich gleichsam zu den drei zentralen Fragen:  

  1. Warum hänge ich daran? 
  2. Brauche ich das wirklich?
  3. Passt es zu meinem Leben und mir? 


Ein Beispiel: Mein erster Videorekorder. Den hat mir mein Vater vor vielen Jahren geschenkt und ich habe ihm sogar einen Namen gegeben (Peter, nebenbei bemerkt). Wir haben uns damit dann immer unsere Lieblingsfilme angesehen. Ich habe damit viele schöne Erinnerungen verknüpft. Irgendwann funktionierte er nicht mehr, aber ich konnte ihn nicht entsorgen, denn er erinnerte mich an meinen verstorbenen Vater. Und so schleppte ich ihn immer wieder von einer Wohnung in die andere - bis vor ein paar Jahren, zu Beginn meiner Minimalismusreise. Ich stand im Keller vor ihm, hatte schon wieder vergessen, dass ich ihn übrhaupt noch besitze und wollte ihn gerade wieder von A nach B räumen, als mir plötzlich bewusst wurde, dass ich den Videorekorder nicht brauche, um mich zu erinnern. Die Erinnerung an meinen Vater lebt ihn mir und ist nicht an materielle Dinge gebunden. Also entsorgte ich ihn. Und bis heute habe ich ihn nicht einmal vermisst. 

Die Umsetzung

Die drei Fragen bohrten sich geradezu in meinen Kopf und plötzlich sah ich die Dinge, die mich umgaben, anders. Daraufhin habe ich mich ganz bewusst dafür entschieden, meinen "Besitz" zu reduzieren und nur noch das zu behalten, was für mich wirklich einen (Mehr-)Wert bietet. Damals hatte ich den Vorteil, dass wir gerade umziehen wollten und ich dementsprechend sowieso jedes Teil, das ich besaß, in die Hand nehmen und mich entscheiden musste, ob wir es mitnehmen oder nicht. Dabei hatte ich immer das Leben vor Augen, das ich führe bzw. führen kann, wenn ich nicht mehr so viel Ballast mit mir trage und habe mich auf das konzentriert, was ich behalten möchte und nicht auf das, was ich nicht mehr möchte.

Und so bin ich vorgeganen:

  • Zimmer für Zimmer
  • erst einmal einen groben Überblick verschaffen
  • alles ausräumen und jedes einzelne Stück in die Hand nehmen und mir meine drei Fragen beantworten
  • sich nicht zu viel Zeit zum Nachdenken lassen (gerade bei emotional aufgeladenen Gegenständen hat mir das sehr geholfen)

In jedem Raum fand sich so einiges, das ich nicht mehr brauchte: im Bad unzählige Cremes, die ich nie benutzt habe; im der Küche die zig Kaffeetassen, die ich nie benutzt habe; im Schlafzimmer die 10 gleichen Kissenbezüge usw. 

Alles, was ich behalten wollte, habe ich in die Umzugskisten gepackt. Alles, was ich nicht mehr wollte, aber noch in Ordnung war, kam in die Spendenkisten. Und alles andere einfach in den Müll.

Das war der Anfang meiner Minimalismusreise. Mit der Zeit ist daraus Routine geworden und ich miste immer mal wieder aus. Und heute: Ich besitze lediglich noch eine große Kiste mit Dingen, die mir wichtig sind (oder wichtig sein müssen wie amtliche Dokumente etc.) und das war es. Ich besitze keine Fotoalben mehr, keine Erinnerungsstücke oder dergleichen. Alles, was von Wert ist, trage ich entweder ständig bei mir (wie meinen Ehering) oder es befindet sich in der Kiste. Alles andere - wie Deko, Geschirr, Möbel etc. - ist zwar schön und nützlich, aber es ist für mich nicht von Wert.

Ich habe für mich entschieden, im Moment zu leben, im Hier und Jetzt. Das gelingt nicht immer, zumal manches im Leben einfach geplant werden muss, aber eine gewisse Art von Freiheit möchte ich mir bewahren und ein minimalistisches Zuhause ist ein Teil dieser Freiheit.

Weiterführende Lesetipps

Minimalismus: mein Weg (In diesem Post habe ich über das Entrümpeln meines Kleiderschrankes geschrieben).

The Organzied Cardigan

Alexandra Löhr: Haken dran!: Vom Krimskrams-Hamster zur Ordnungs-Queen in 52 Wochen

Fräulein Ordnung: Besser aufräumen, freier leben. Minimalismus für die Wohnung. Tipps, Anleitungen, Checklisten.



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